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09.06.2008 
Ausschreitungen

Deutsche Hooligans sorgen für Ärger

Im Umfeld des EM-Auftaktspiels der DFB-Auswahl sind deutsche Hooligans in Klagenfurt mit Nazi-Parolen negativ aufgefallen. Die Behörden in Deutschland und Österreich zogen aber eine positive Sicherheitsbilanz nach dem Sieg der deutschen Elf gegen die Polen.

Die Nazi-Parolen deutscher Hooligans in Klagenfurt haben die weitgehend friedlichen und fröhlichen Fanfeste am ersten EM-Spieltag der deutschen Mannschaft getrübt. Insgesamt zogen die Behörden in Deutschland und Österreich nach dem 2:0-Sieg der DFB-Elf gegen Polen aber eine positive Bilanz.

"Die Sicherheitskräfte hatten die Lage überall im Griff, in und um das Stadion herum gab es keine besonderen Vorfälle. Wir sind insgesamt alle sehr zufrieden", sagte DFB-Sicherheitschef Helmut Spahn nach einer Lagebesprechung mit der Klagenfurter Polizei am Montagmorgen dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Am Sonntagabend war eine Stunde vor dem Anpfiff eine größere Gruppe deutscher Hooligans durch die Innenstadt marschiert und hatte rechtsradikale und fremdenfeindliche Parolen gegen polnische Fans skandiert. Bevor die Situation eskalierte, schritt die Polizei ein. Insgesamt wurden nach Angaben der Klagenfurter Behörden 157 Personen, darunter 144 Deutsche und zehn Polen, festgenommen. Bis zum Montagnachmittag waren davon nur noch zwei Personen in Untersuchungshaft. Die freigelassenen Hooligans stünden aber weiterhin unter Beobachtung.

"Das Sicherheitskonzept greift"

"Die Polizei hat gezeigt: 'Leute, seid euch darüber im Klaren: Wir haben euch im Blick'", sagte Spahn. Auch der renommierte Fanforscher Gunter A. Pilz wertete die Polizeiarbeit in Klagenfurt als Erfolg. "Das System hat hervorragend funktioniert, das Sicherheitskonzept greift", sagte der Sportsoziologe der Universität Hannover, der auch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) in Sicherheitsfragen berät, dem sid.

Ereignisse wie die in Klagenfurt seien nicht zu verhindern, sagte Pilz, nach dem Wochenende könne man aber optimistisch sein: "Wenn das zweite Spiel der deutschen Mannschaft in Klagenfurt gegen Kroatien, das ich wegen der Nähe Kroatiens zum Spielort als noch brisanter einschätze, über die Bühne gebracht ist, kann man sich etwas entspannen."

Konrad Kogler, Sprecher des österreichischen Innenministeriums, wehrte sich gegen den Vorwurf, die Krawallmacher hätten erst gar nicht ins Land einreisen dürfen. "Allein das Wissen, dass jemand gewaltbereit ist, reicht nicht für eine Zurückweisung an der Grenze aus." Dass die Situation deeskaliert werden konnte, verdankte die Polizei auch der guten Zusammenarbeit mit szenekundigen Beamten aus Deutschland und Polen, sagte Kogler.

Abgesehen von den Vorfällen in Klagenfurt feierten nach Polizeischätzungen 270 000 Fans auf den großen Public-Viewing-Veranstaltungen überwiegend friedlich den EM-Auftakt in Österreich. Allein in Wien zog es 150 000 Anhänger zu den Großbild-Leinwänden. Insgesamt gab es landesweit nur 206 Festnahmen. "Das sportliche Konzept Österreichs hat am ersten Spieltag noch keine Früchte getragen, die organisatorischen Maßnahmen dagegen schon", sagte Heinz Palme, der EM-Koordinator des Landes.

© SID

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