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04.06.2008 
Uefa forciert Beratung über Ersatzlösung

Euro-Turnier in Polen und der Ukraine wackelt

Kurz vor dem Anpfiff zur Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz nimmt bei der Europäischen Fußball-Union Uefa die Sorge um das nächste Kontinental-Turnier in Polen und der Ukraine immer größere Ausmaße an. Nach Informationen der Deutsche Presse-Agentur intensiviert der Dachverband Beratungen über eine mögliche Neuvergabe der EM im Jahr 2012. Das berichhtet die dpa unter Berufung auf gut informierte Uefa-Kreise.

HB BASEL. Wegen der schleppenden Vorbereitungen und gravierender Infrastrukturmängel in den osteuropäischen Ländern hatte Uefa-Präsident Michel Platini den Ausrichtern bereits im Januar ein Ultimatum bis zum Juli gestellt und vor "einem kritischen Ausrutscher" gewarnt.

Erst soll nun das Turnier in den Alpenländern erfolgreich über die Bühne gebracht werden, doch danach muss Platini die bislang schwerste Entscheidung seiner gut zwei Jahre währenden Amtszeit treffen. "Es ist eine politisch schwierige Situation", hieß es in Basel aus Uefa-Kreisen. Platini war mit den Stimmen kleiner osteuropäischer Länder 2007 ins Amt als Uefa-Chef gewählt worden, drei Monate später fiel der Zuschlag für die EM überraschend an Polen und die Ukraine - offenbar hatten die Uefa-Exekutivkomiteemitglieder schon damals bestehende Bedenken nicht berücksichtigt.



Die nächste Crux ist für die Uefa aber schon zu sehen, denn die Suche nach einem potenziellen Ersatzkanditaten sei "schwierig". In Frage für ein solches Mammutprojekt kommen eigentlich nur die großen Fußball-Nationen. England bewirbt sich um die WM 2018 - und gilt zugleich bei einem Scheitern der von der Gewalt im Land gebeutelten südafrikanischen Organisatoren für das Weltturnier 2010 als ein Ersatz-Favorit. Zudem findet mit Olympia in London schon ein sportliches Megaereignis 2012 im Mutterland des Fußballs statt. Frankreich ist großer Favorit auf die EM 2016 und eine Ersatz-Vergabe ausgerechnet an Platinis Heimatland hätte ein gewisses "Geschmäckle".

Spanien ist nach dem Scheitern an Portugal 2004 noch vergrätzt und auch Italien hat die Vergabe-Niederlage gegen Polen/Ukraine nicht verwunden und will offenbar nicht zweite Wahl sein. Bliebe nur noch Deutschland. Doch Franz Beckenbauer hatte ein Einspringen des WM-Gastgebers von 2006 schon nach den ersten Absage-Gerüchten abgelehnt. "Es muss jetzt etwas in Polen und in der Ukraine geschehen. Aber ich bin überzeugt, dass die beiden Länder es schaffen. Und sich als Ersatzland in Position zu bringen, das ist nicht vornehm. Das ist kein guter Stil", hatte Beckenbauer im Januar gesagt.

Platinis deutliche Januar-Worte waren in Polen und der Ukraine angekommen. Die Politik war auf höchster Ebene mit Beteuerungen zur Stelle. Doch die Mängel im Straßen-, Schienen- und Flugverkehrnetz sowie fehlende Hotelkapazitäten sind in der Kürze der Zeit offenbar nur schwer zu beheben. "Wenn die EM dort stattfindet, wird sie anders sein als alle Turnier bislang", verlautete eine Einschätzung aus Uefa-Kreisen.

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