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27.06.2008  | Aktualisiert 27.06.2008, 11:40 Uhr 
Luis Aragones im Interview

„Ich bin nicht derjenige, der groß feiert“

Nach dem klaren 3:0-Erfolg gegen Russland im EM-Halbfinale hat sich Spaniens Nationaltrainer Luis Aragones den Fragen der Presse gestellt.

Spaniens Nationalcoauch Luis Aragones. Foto: ReutersLupe

Spaniens Nationalcoauch Luis Aragones. Foto: Reuters

Frage: "Spanien hat zum ersten Mal seit 24 Jahren das EM-Endspiel erreicht. Was empfinden Sie nach dem 3:0-Halbfinalsieg gegen Russland?"

Luis Aragones: "Ich bin nicht derjenige, der groß feiert. Ich zeige meine Gefühle nicht. Aber das heißt nicht, dass ich mich nicht freue. Ich freue mich für dieses großartige Team, das es wirklich verdient hat, ins Finale zu kommen. Und dass einer meiner Enkel heute hier war, hat mich zu Tränen gerührt."

Frage: "Was war für den Sieg gegen Russland ausschlaggebend?"

Aragones: "Wir haben zunächst den Fußball gespielt, den Russland mag. Mit langen Pässen haben wir es ihnen einfach gemacht. In der zweiten Halbzeit haben wir realisiert, was wir besser machen müssen, haben das Tempo erhöht und den Ball gut laufen lassen."

Frage: "Obwohl Ihnen nach 35 Minuten David Villa, Ihr erfolgreichster Stürmer, verletzt fehlte."

Aragones: "Nach Villas Auswechslung haben wir mit nur einem Stürmer besser gespielt, das war fantastisch. Wir haben den Ball sehr schnell bewegt und damit den Gegner müde gemacht. Der entscheidende Punkt war, dass die Mittelfeldspieler mehr Freiheiten hatten, nach vorne zu stoßen. Nur so bringt man Xavi dazu, ein Tor zu schießen."

Frage: "Im Finale treffen Sie am Sonntag auf Deutschland. Was erwartet Sie in diesem Spiel?"

Aragones: "Es gibt noch eine große Hürde vor dem Titel, das sind die Deutschen. Gary Lineker hat gesagt: Am Ende gewinnen immer die Deutschen. Und ihn kenne ich sehr gut, denn ich hatte ihn in Barcelona in meiner Mannschaft."

Frage: "Wer ist Favorit?"

Aragones: "Ich denke nicht, dass es einen klaren Favoriten gibt. Vielleicht die Deutschen, weil sie mehr daran gewöhnt sind, im Finale zu stehen. Aber mir ist egal, wer Favorit ist."

Frage: "In der Vergangenheit ist die spanische Nationalmannschaft trotz großer Spieler bei Turnieren nie weit gekommen. Ist sie jetzt mental stärker?"

Aragones: "Dieses Team ist mental sehr stark. Entscheidend ist nicht nur, gut Fußball zu spielen, sondern man muss auch lernen, wie man sich durchsetzt - das muss man auf die harte Tour lernen, so wie wir bei der WM vor zwei Jahren. Wir sind mental stark, und wir bleiben mit beiden Beinen auf dem Boden."

Frage: "Was bedeutet der Finaleinzug für Sie persönlich?"

Aragones: "Das ist ein Meilenstein. Aber der Fußball hat mir immer Spaß und Freude gegeben und mich für meine Arbeit belohnt. Es gab jedoch auch Zeiten, in denen ich viel kritisiert wurde. Diese Kritik hat mich stimuliert, hat mich ermutigt, die Dinge besser zu machen."

© SID

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