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05.06.2008 
Fußball-EM

Viele Berge und zwei Fußballzwerge

von Oliver Stock

Die Fußball- Europameisterschaft macht aus Österreich und der Schweiz vier Wochen lang eine Schicksalsgemeinschaft. Dabei sind sich die Bewohner beider Länder in herzlichem Desinteresse zugetan.

Das Logo der Euro 2008. Foto: ReutersLupe

Das Logo der Euro 2008. Foto: Reuters

WIEN/ZÜRICH. Die Spieler tauschen artig drei Flaschen Walliser Wein gegen eine Packung Mozartkugeln. Der Anpfiff trillert: Auf dem Rasen des kleinen Stadions von Naters, einem Bergdorf mit Bahnanschluss im Schweizer Kanton Wallis, der von hohen Bergen eingekesselt ist, hat die Europameisterschaft schon begonnen. Zwei Mannschaften von Semi-semi-Prominenten treten gegeneinander an. Ein Teilnehmer der Endrunde zur Mr.-Schweiz-Wahl ist zum Beispiel darunter. Der Reporter am Spielfeldrand, dessen Stimme aus dem Lautsprecher über den Ort des Geschehens hallt, kann's nicht lassen. Die Österreich-Witze quellen aus ihm hervor: "Österreich ist das Land der Schwarzeneggers und der Berge, die leider nicht ganz so hoch sind wie unsere."

Von außen, von Berlin, Paris oder Prag aus, sehen sich Österreich und die Schweiz verdammt ähnlich. Man fährt gerne einmal hin und besucht eines der heiteren, annähernd Deutsch sprechenden Bergvölker dort. Zwischen sieben und acht Millionen gibt es von der jeweiligen Nationalität. Das sind nicht viele, denkt der Deutsche und wirft sie in einen Topf.


Bildergalerie Stadion für Stadion: Die Bühnen für die Spiele der Euro 2008


Das sind genug, um sich zeitlebens mit sich selbst zu beschäftigen, wissen Schweizer und Österreicher. Und deswegen gibt es kaum zwei Nachbarländer in Europa, die in so herzlichem Desinteresse nebeneinander her leben wie die beiden Alpenrepubliken. Ausgerechnet diese beiden sind nun für vier Wochen während der Euro zu einer Zusammenarbeit verdammt, auf die die ganze Welt gucken wird. Kann das gutgehen?

Während im Wallis ein paar Stunden zuvor an diesem Tag noch die Vorbereitungen für das Spiel liefen, ist Weibel durch Wien gegangen. Es ist ein früher, warmer Morgen im Mai, und Wien ist noch nicht aufgestanden. Weibel, dieser drahtige Kerl mit dem schlohweißen Schopf, aber ist hellwach. Weibel ist Schweizer, war mal Chef der Schweizer Bahnen, die die in dieser Hinsicht leidgeprüften Österreicher für ihre Pünktlichkeit rühmen, und ist jetzt Cheforganisator der Fußball-Europameisterschaft auf der eidgenössischen Seite. Er sagt Sätze wie: "Bei Österreichern heißt das Grundprinzip Improvisation. Bei uns heißt es: Improvisation vermeiden."

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