Gut gespielt, viel verloren: Trotz hoher Spielanteile musste die Schweiz am Samstagabend eine unglückliche Niederlage gegen Turnierfavorit Tschechien hinnehmen. Die gute Stimmung der Eröffnungsfeier war bereits zuvor verflogen: Das frühe Ausscheiden von Kapitän Alexander Frei schockte den Gastgeber.
HB BASEL. Den historischen Sieg verpasst und den Kapitän verloren: Für Gastgeber Schweiz hat die EM denkbar schlecht begonnen. Beim 0:1 (0:0) im Eröffnungsspiel in Basel gegen Tschechien kassierten die Eidgenossen nicht nur die erste Niederlage, sondern mussten auch den Ausfall ihres Rekordtorschützen Alexander Frei von Borussia Dortmund verkraften.
Der frühere Bundesliga-Profi Vaclav Sverkos besiegelte in der 70. Minute die Auftaktpleite der Schweizer, die bis dahin deutlich überlegen gewesen waren. Der ehemalige Gladbacher und Berliner war erst 14 Minuten zuvor für den Nürnberger Jan Koller eingewechselt worden. Die Gastgeber verpassten damit unter den Augen ihres künftigen Nationaltrainers Ottmar Hitzfeld auch in ihrem siebten EM-Spiel den ersten Erfolg. Die größte Chance zum Ausgleich vergab Johan Vonlanthen (80.) mit einem Schuss an die Unterkante der Latte.
Schon drei Minuten vor der Pause hatten die Schweizer den ersten Schock erlitten: Kapitän Alexander Frei zog sich bei einem Zusammenprall mit Zdenek Grygera eine Knieverletzung zu, die ihn zum Ausscheiden zwang. Der Dortmunder, der erst im Januar nach achteinhalb Monaten Pause nach einer Hüft- und einer Waden-OP zurückgekehrt war, humpelte unter Tränen vom Platz. Bei der ersten Untersuchung am Spielfeldrand schlug der 28-Jährige entsetzt die Hände vors Gesicht. Die Schweizer Fans im St. Jakob-Park hielten geschockt den Atem an. Mitte der zweiten Halbzeit kehrte Frei auf Krücken auf die Schweizer Bank zurück.
Bild für Bild: Die Höhepunkte des Eröffnungsspiels Schweiz - Tschechien
Bis zu seinem Aus war der Dortmunder, der in 60 Länderspielen 35 Tore erzielte, bester Mann auf dem Platz gewesen. Bereits in der dritten Minute gab er den ersten Warnschuss auf das Tor von Petr Cech ab, verfehlte aber noch das Gehäuse. Per Hacke leitete Frei zudem die zweite gute Chance der Eidgenossen ein, als Gökhan Inler aus 20 Metern Cech prüfte (19.).
Die beste Möglichkeit zur Schweizer Führung hatte Frei selbst: Nach einem weiteren Abschlag des Wolfsburger Torhüters Benaglio kam der Angreifer zehn Meter vor dem Tor an den Ball, scheiterte aber an dem herausstürmenden Cech (21.). Mit einem Schuss aus 30 Metern zwang der Dortmunder den Keeper des Champions-League-Finalisten FC Chelsea noch einmal zu einer Parade (36.).
Während die Schweizer dank Frei und des Stuttgarters Ludovic Magnin, der ebenfalls eine starke Leistung bot, die erste Halbzeit dominierten, enttäuschten die Tschechen. Ohne ihren verletzten Spielmacher Tomas Rosicky fehlte dem Europameister von 1976 das spielerische Moment, um die Gastgeber unter Druck zu setzen. Koller stand in der Sturmspitze auf verlorenem Posten.
Der Hamburger David Jarolim wurde auf der rechten Mittelfeldseite zwar häufig angespielt, machte aber wenig aus seinen Möglichkeiten. Immerhin war der 29-Jährige für die erste gefährliche Situation vor dem Schweizer Tor verantwortlich: Seine Flanke fälschte Magnin ab, doch Benaglio parierte (13.).
Auch nach dem Seitenwechsel bestimmten die Gastgeber weiter das Spiel. Magnins Schuss aus 20 Metern wehrte Cech ab (49.), der Freistoß des für Frei eingewechselten Ex-Stuttgarters Hakan Yakin aus 25 Metern verfehlte knapp das Tor (50.). Gefährlich für Benaglio wurde es erst wieder, als Libor Sionko und Grygera eine Flanke von Marek Jankulovski knapp verpassten (60.).
Zuvor wurde die Euro 2008 feierlich eröffnet: Musikalisch untermalt von Alphornbläsern und Jodlern präsentierten sich die beiden Gastgeberländer Schweiz und Österreich mit einer bunten, unterhaltsamen und nur 13-minütigen Show. 40 000 Zuschauer im verregneten Basler St. Jakob-Park, darunter viel Prominenz auf der Ehrentribüne, und unzähligen Fans an den Fernsehschirmen verfolgten das Event im Vorfeld des Auftaktspiels zwischen der Schweiz und Tschechien.
Während des Programms, in dem 600 Volonteers mit mehrfarbigen Würfeln gigantische Bilder erzeugten, wurde unter anderem der Bodensee symbolisch dargestellt, der Österreich und die Schweiz verbindet. Ebenso die sommerlichen Weidelandschaften mit saftigen Wiesen und auch der für die Alpenländer typische "Winterzauber", wie ihn der künstlerische Leiter Martin Arnaud sieht. Aktuelle Töne und Walzermusik als Ausdruck von Tradition und Moderne sowie ein Feuerwerk ließen die stimmmungsvolle Show ausklingen.
Insgesamt nahmen an der Eröffnungsfeier 976 Darsteller und Künstler teil. Die meisten gehören dem Schweizerischen Turnverband und dem Badischen Turnerbund an. Insgesamt waren 13 Nationalitäten vertreten.
Bildergalerie: Die Eröffnungsfeier
Auch in der Innenstadt von Basel hat sich das EM-Fieber bereits ausgebreitet. Bei wenig sommerlichen Temperaturen um 17 Grad wurde das drittgrößte Sportereignis der Welt friedlich und fröhlich eingeleitet. "Hopp Schwiiz" hieß es immer wieder in den Gassen, "Rot und Wyss" waren die alles überwiegenden Farben.
Der ganz große Fan-Ansturm auf die 170 000 Einwohner zählende Stadt am Rhein setzte aber nicht ein. Es herrschte in den 45 000 Zuschauer fassenden Public-Viewing-Zonen auf dem Kasernenareal, am Rheinufer, auf dem Münsterplatz sowie auf dem Marktplatz zwar gute Stimmung, doch komplett gefüllt waren sie keineswegs. Das nasskalte Wetter hatte einige Fans dabei sicherlich abgeschreckt.
Bildergalerie: Die große Showbühne der Bundesliga-Profis

