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23.06.2008 

Die Mannschaft hat die Maximen ihres äußerst engagierten Trainers längst verinnerlicht. "Im Fußball haben Gefühle auf dem Platz nicht viel Raum", sagte Hamit Altintop, "man hat keine Zeit, zu bedauern. Weinen kann man nach dem Schlusspfiff immer noch". Unbedingter Glaube an sich, physische Stärke und der Nationalstolz treiben die Türken bei diesem Turnier von Erfolg zu Erfolg.

Spielerisch sind sie limitiert, daher hat Terim seiner jungen Mannschaft (durchschnittlich 27 Jahre) eine defensive Strategie verordnet und ihr jeglichen Druck genommen. Auch im Umgang mit der Öffentlichkeit ist er ein Profi - er spricht viel, sagt dabei aber wenig Essentielles. Etwa zur taktischen Ausrichtung fürs nächste Spiel. "Ob mit 9-2-3 oder 4-8-9-System, das könnt ihr euch aussuchen", hatte er vor dem Kroatien-Spiel die Presse aufgezogen."

Nun erwägt Terim eine neue Variante: Er will Ersatztorwart Tolga zum Feldspieler umfunktionieren. Es ist nämlich nicht so, dass die Türken nur Glück hätten bei dieser EM - sie haben mit Abstand die meisten Verletzten zu beklagen. Nachdem sich Kapitän Nihat kurz vor dem furiosen Finale des Kroatien-Spiels verletzte (Ödem in der Leiste), muss Terim nun auf neun malade oder gesperrte Spieler verzichten. "Wir können uns nicht mehr den Luxus erlauben, dass sich die Spieler aussuchen, wo sie spielen wollen", sagt Terim daher und kündigt für Keeper Tolga an: "Als Einwechselspieler könnte er zum Ende des Spiels als letzter Mann oder Mittelstürmer zum Einsatz kommen.

Aber durch die bisherigen Erfolge scheint die rationale Analyse bei den Türken sowieso längst einer Art Schicksalsglaube gewichen zu sein. Wer dreimal mit dem Rücken zur Wand steht, kommt wohl nicht umhin, sich auf einer Mission zu fühlen. Und so dürfen sich die Türken mittlerweile über ein Kompliment freuen, was bislang den Deutschen galt. Sie seien erst geschlagen, wenn sie angezogen und geduscht im Bus sitzen würden. Bei den Türken, so die Tageszeitung "Hürriyet" könne man sich nun aber noch nicht mal sicher sein, "ob am Ende nicht noch der Busfahrer einspringt, als Torwart, Stürmer oder sonst was".

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