Bei der Fußball-Europameisterschaft dreht sich alles um den Ball, genauer um den „Europass“. Das Spielgerät aus dem Hause Adidas sei der rundeste Fußball, den es je gab, heißt es. Doch einige Spieler kritisieren das Hightech-Produkt schon vor seinem ersten Einsatz bei der Euro in Österreich und der Schweiz.
HB DÜSSELDORF. Mit neuen Technologien und Fertigungsmethoden hat Adidas für die Europameisterschaft einen Hightech-Ball produziert. Entwickelt hat der Sportartikelhersteller den „Europass“ auf der Basis des „+Teamgeist“ – das Spielgerät der Weltmeisterschaft 2006. Geblieben ist die Zusammensetzung aus 14 Panels. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Fußball, der aus zwölf fünfeckigen und 20 sechseckigen Teilen besteht, setzt sich der „Europass“ aus sechs „zungenförmigen“ und acht „propellerförmigen“ Teilen zusammen. Dadurch hat das neue Spielgerät weniger Nahtstellen und ist runder als ein bisheriger Fußball.
Auch die „Thermo-Klebetechnik“ wurde beibehalten. Dabei werden die einzelnen Teile des Balles bei hoher Temperatur zusammengefügt. Durch diese spezielle Fertigungstechnik hat der Ball keine Nähte, ist besonders dicht und wird durch die spezielle Form der einzelnen Teile auch besonders rund.
Bildergalerie: Von "Telstar" bis "Europass"
Die wichtigste Neuerung zum „+Teamgeist“ liegt in der Außenhaut: der „PSC-Texture“. PSC steht für Power, Swere, Control, die drei Eigenschaften auf die sich die Oberfläche auswirken soll – bessere Kraftübertragung (Power), mehr Effet (Swerve) und größere Zielgenauigkeit (Control). Die sehr fein strukturierte Oberfläche mit mikroskopisch kleinen Noppen fühlt sich wie eine Gänsehaut an. Das verleiht dem Ball bessere Flugeigenschaften und erhöht die Griffigkeit. Produziert und entwickelt wurde die PSC-Schicht von Bayer Material Science aus Dormagen.
In der Spielpraxis soll der Ball den Spielern laut Adidas zu höherer Präzision verhelfen und eine bessere Kontrolle ermöglichen. Der Torwart profitiere vor allem von der griffigeren Beschichtung, heißt es beim Sportausrüster.
„Der ist noch schlechter als der WM-Ball 2006“
Doch einige Spieler haben bereits Kritik am neuen Ball geäußert. „Der ist noch schlechter als der WM-Ball 2006“, klagte der italienische Nationalspieler Marco Amelia im Trainingslager der „Azzurri“ in Coverciano bei Florenz. Der Ball sei schwer zu fangen, meinte der Keeper des italienischen Erstligaabsteigers AS Livorno. „Da werden alle zufrieden sein, die viele Tore sehen wollen“, sagte Amelia. Auch Italiens Nummer eins, Gianluigi Buffon, ist vom Euro-Ball nicht begeistert. Der Weltmeister gibt sich aber gewohnt gelassen: „Vielleicht gewöhnen wir uns noch an den Ball. Aber wie auch immer: Ich halte ihn trotzdem“, versicherte der Torwart von Rekordmeister Juventus Turin.
Die Kritik an den Spielgeräten bei internationalen Turnieren ist allerdings nichts Neues. Über den „Roteiro“, den Ball der EM 2004, gab es eine vergleichbare Kontroverse. „Die Murmel ist eine Katastrophe“ oder „So ein Spielgerät gehöre an den Strand, keinesfalls aber in ein Stadion“, war von einigen Akteuren zuhören.
Kritik hin oder her: Adidas erwartet nach eigenen Angaben „in allen Produktkategorien im EM-Jahr 2008 neue Rekorde“. So solle der „Europass“ den „Roteiro“ übertreffen, von dem sechs Millionen Exemplare verkauft wurden. Der neue Ball kostet 129,90 Euro (unverbindliche Preisempfehlung).
» Dalliklick: Erkennen Sie die Stars?
