Um den Ausrüstervertrag beim Deutschen Fußballbund (DFB) lieferten sich Adidas und Nike ein hartes Rennen. Foto: dpa
In jüngster Zeit haben beide Seiten mächtig aufgerüstet, um dem anderen keinen Zentimeter in den Sportgeschäften zu überlassen. Adidas
hat sich den amerikanischen Konkurrenten Reebok für drei Mrd. Euro gekauft. Damit wollen die Franken in Nikes
Heimat USA in die Offensive gehen, dem größten Markt für Turnschuhe und Trainingsanzüge der Erde. Im Gegenzug sind die Amerikaner dabei, den englischen Fußballausrüster Umbro zu übernehmen. Damit greifen sie Adidas
in der Sportart an, die die Deutschen seit mehr als 50 Jahren für sich beanspruchen.
Es ist kein Zufall, dass sich Nike
und Adidas
bis aufs Messer bekämpfen. Es sind die einzigen Anbieter der Branche, die auf mehr als zehn Mrd. Euro Jahresumsatz kommen - und die einzigen, auf die kein Ladenbesitzer verzichten kann. "Für Händler sind die beiden Marken ein absolutes Muss", sagt Tobias Gröber, Chef der Münchener Sportmesse Ispo, der größten Branchenschau der Welt. Es gibt keine anderen Sportkonzerne, deren Marken für die Massen von Schanghai bis New York auch nur annähernd so attraktiv sind. Dazu kommt, dass kein Konkurrent ein so breites Sortiment hat und einen Vertrieb, der sich praktisch über die gesamte Welt erstreckt.
In den vergangenen Monaten ist Adidas
so nah an Nike
herangekommen wie lange nicht mehr. Das lag allerdings nicht nur an einem guten Geschäft, vielmehr half der starke Euro. Zum Vergleich: Nike
erzielte zuletzt einen Quartalsumsatz von 4,5 Mrd. Dollar. Durch den schwachen Dollar sind das umgerechnet 2,9 Mrd. Euro. Adidas
erreichte 2,6 Mrd. Euro.
Doch es sind nicht die nackten Zahlen alleine, die den Kampf zwischen Adidas
und Nike
zu einer besonderen Auseinandersetzung machen. "Der Wettbewerb wird sehr emotional geführt", beschreibt ein Kenner der Branche die Auseinandersetzung. Vergangenes Jahr hat Nike
monatelang versucht, mit vielen Millionen Dollar die deutsche Nationalmannschaft zu ködern; seit dem "Wunder von Bern", dem WM-Sieg 1954 in der Schweiz, sind die deutschen Fußballer aufs Engste mit Adidas
verbandelt.
Euro-Statistik: Torjäger- und Scorer-Ranking, Sünderliste und EM-Historie
Als der Deutsche Fußball-Bund trotzdem den Franken treu blieb, obwohl deren Angebot unter dem von Nike
lag, schlugen die Amerikaner in Frankreich zu. Für 40 Mill. Euro im Jahr spielen die Blauen künftig in Trikots mit dem "Swoosh", dem Markenzeichen von Nike
; und das nach 30 Jahren in Adidas
-Leibchen. Im Gegenzug verpflichtete Adidas
das bisherige Nike
-Team Mexiko.
Dass viele Entscheidungen gerade im Fußball-Geschäft nicht unbedingt rational zu begründen sind, ist offensichtlich. Daraus macht auch Adidas
-Chef Hainer keinen Hehl: "Wir sind der festen Überzeugung, dass an uns kein anderes Unternehmen vorbeikommt. Das ist für uns auch eine Frage der Ehre. Denn Adidas
verkörpert den Fußball, wie es bisher kein Unternehmen geschafft hat und auch nicht schaffen wird."
Starke Worte, denen Nike
nichts entgegenzusetzen hat. Sämtliche Interviewanfragen für diesen Artikel lehnte der Konzern ab. Dabei fehlt es nicht an Selbstbewusstsein. Wer sich hinter vorgehaltener Hand mit Nike
-Managern unterhält, der stellt schnell fest, dass sich der Konzern nicht nur als Innovationsführer sieht, sondern auch als absoluter Vorreiter in Sachen Vermarktung.
