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10.06.2008  | Aktualisiert 24.06.2008, 17:05 Uhr 

Die Zeit drängt. Grzelachowski öffnet einen verkratzten Stahlkoffer und nimmt dicke, lange Schrauben heraus. "Damit werden die Stahlträger, die wir jetzt oben auf das Gerüst legen, verankert. Sie tragen die Leinwand." Wie ein Affe hangelt er sich Stange für Stange bis an die Spitze des Fundaments hinauf.

Eigentlich ist Grzelachowski Wirtschaftsinformatiker. Er sollte etwas Anständiges machen, fanden seine Eltern. Zufällig traf er während des Studiums Dirk Roswandowicz, den Gründer von Screen Rent. Als BWL-Student kam Roswandowicz bei einem Gang durch das Magdeburger Einkaufszentrum "Flora-Park" eine Idee: Er wollte dort eine Videowand installieren und Werbespots zeigen. Schon als Kind hatte er auf Familienfesten Videos gedreht, die er in großer Runde der Verwandtschaft zeigte.

Doch der Bank missfiel der Plan. Also kaufte er "auf Pump" drei Fernseher im Elektroladen und stellte sie einfach auf. "Das ging genau eine Woche gut - bis der Centermanager kam", erzählt Roswandowicz. Egal. Wenig später kaufte er seine erste Videowand. Der Verleih funktionierte gut, "auch wenn die Qualität der Wand grausam war". Das war 1996.

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In Neuss anno 2008 baut Screen Rent eine 22 Quadratmeter große Videoleinwand auf. Ein Quadratmeter kostet 12 000 Euro. Der Veranstalter zahlt 2 500 Euro pro Quadratmeter - inklusive Service. Ein Screen-Rent-Techniker ist ununterbrochen vor Ort. In Neuss muss die Wand drei Wochen lang einwandfrei funktionieren - ob Regen, Sturm oder Sonnenschein.

Grzelachowski öffnet einen von mehreren roten Rollkoffern. Die Leinwand besteht aus 112 Bildschirmen - im Fachjargon "Module" genannt. Jedes misst 45 mal 45 Zentimeter und wiegt knapp 20 Kilogramm. Die drei Techniker stellen die Module nebeneinander und verbinden sie mit Schnellspannriegeln. Es fällt kaum ein Wort. Jeder weiß, was zu tun ist. Nur das rhythmische Einrasten der Riegel schnalzt immer wieder durch die Luft.

Den Durchbruch erlebte "Public Viewing" - und damit das Geschäft von Firmen wie Screen Rent - bei der WM 2006. Vor zwei Jahren pilgerten 16 Millionen Menschen zum Fußballgucken ins Freie. Dabei wurden schon früher immer wieder mediale Großereignisse öffentlich live übertragen - meist aber in Konzert- oder Sporthallen. Dank Poldi & Co. steigt vor allem die Nachfrage nach Outdoor-Wänden.

Als der Boom kam, war Screen Rent bestens vorbereitet. Schon für die WM 1998 in Frankreich bekam Roswandowicz immer mehr Anfragen. Damals mietete er die Großleinwände noch selbst an, um sie aufzustellen. Der Firmengründer pokerte: Je weiter die deutsche Mannschaft kam, umso höher wurde die Miete für die Veranstalter und umso geringer die, die Screen Rent an den Verleiher zahlen musste. Bertis Buben unterlagen zwar schon im Viertelfinale 0:3 gegen Kroatien. Aber Roswandowicz war dennoch mehr als zufrieden. 2002 kaufte er die erste Videoleinwand für 350 000 Euro.

Aus siebzehn sind bis heute knapp 300 Quadratmeter geworden. Der Umsatz schoss von 250 000 Euro 2001 auf zwei Millionen Euro in diesem Jahr in die Höhe. Die Stadt Neuss zahlt knapp 60 000 Euro für drei Wochen an Screen Rent - die Hälfte trägt Sponsor RWE.

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