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10.05.2008 
Sportbusiness

Profi-Liga

Die Fußball-EM und die Olympischen Spiele stehen vor der Tür und versprechen Milliardenumsätze. Da Spitzensport längst zum Big Business geworden ist, suchen Agenturen, Unternehmen und Vereine nach Verstärkung für das knallharte Geschäft. So facettenreich wie die Sportbranche sind auch die Karrierechancen.

Ein Spiel, bei dem es um sehr viel Geld geht. Das Sportbusiness bietet vielfältige Jobchancen für Profis, die vollen Einsatz zeigen. Foto: dpaLupe

Ein Spiel, bei dem es um sehr viel Geld geht. Das Sportbusiness bietet vielfältige Jobchancen für Profis, die vollen Einsatz zeigen. Foto: dpa

GL/CO DÜSSELDORF. Fußball-Fans werden Timo Röbbel beneiden, denn wenn die deutsche Elf bei der Europameisterschaft in der Schweiz und Österreich (7. bis 29. Juni) ihre Vorrundenspiele bestreitet, ist er im Stadion dabei – von Berufs wegen. „Natürlich freue ich mich darauf, aber in erster Linie muss ich mich um unsere Gäste kümmern.“ Denn der 34-Jährige ist Projektleiter Sportsponsoring beim Automobilzulieferer Continental, einem der offiziellen Sponsoren der Euro 2008.

Das Turnier ist die internationale Bühne für den Reifenhersteller. Röbbel und 13 seiner Kollegen in ganz Europa sorgen für die Geschäftspartner und VIP-Gäste, die beim großen EM-Spektakel auf Einladung des Sponsors live dabei sein können. Sie organisieren die Anreise und den Aufenthalt der Gäste und planen die Übergabe der Tickets. Beim EM-Tipp bleibt Röbbel berufsbedingt neutral: „Wir sind Sponsor der EM, nicht der DFB-Auswahl. Deshalb hoffe ich vor allem darauf, dass es ein großes europäisches Fest wird.“

Längst ist der Spitzensport zum Business geworden: Vereine, Verbände und Unternehmen setzen Milliarden um. Laut Studie „Sponsor Visions 2008“ der Hamburger Media-Agentur Pilot lassen deutsche Unternehmen in diesem Super-Sportjahr mit Fußball-EM und Olympischen Sommerspielen allein 2,9 Milliarden Euro ins Sport-Sponsoring fließen. Absoluter Liebling der Geldgeber ist der Fußball. Um welche Summen es geht, zeigt das Beispiel Bayern München: In der laufenden Spielzeit erhält der Klub von seinem Hauptsponsor Telekom rund 20 Millionen Euro.

Zwar stehen im Sportbusiness die Athleten im Mittelpunkt, doch der Apparat dahinter ist groß. So facettenreich wie die Branche sind auch die Karrierechancen: Hier geht es darum, die Sportler einzukleiden, ihre Auftritte den Sponsoren und Partnern in der Wirtschaft schmackhaft zu machen, die Veranstaltungen zu organisieren, in den Medien darüber zu berichten oder die juristischen Feinheiten von Verträgen zu klären.

Ob Designer, Ingenieure, Kaufleute, Sportökonomen, Informatiker oder Juristen – im Sportbusiness finden sie ihren Platz. Solche Aussichten locken zahlreiche Bewerber an. Sport ist Hobby, Lifestyle und Spaß. „Damit kann sich fast jeder identifizieren“, sagt Thomas Trümper, Mitglied der Geschäftsleitung des Beratungsunternehmens Sport + Markt. „Deshalb ist Sport für Unternehmen auch die ideale Plattform, um sich zu präsentieren.“

Speziell bei der Fußball-Europameisterschaft spielen die Sportartikelhersteller eine wichtige Rolle. Die maßgeblichen Unternehmen stehen gut da, locken mit attraktiven Angeboten. Nils Richter, Personalberater bei Michael Page, bestätigt: „Die großen Sportartikelhersteller sind sichere Arbeitgeber, global aufgestellt, und das Jahr 2008 wird für sie bestimmt erfolgreich verlaufen.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Adidas und Puma wollen in diesem Jahr jeweils 150 neue Mitarbeiter in Deutschland einstellen

In den kommenden Wochen werden sich die Konzerne so richtig in Szene setzen. Vor allem Adidas drängt auf die große Bühne: In Peking rüstet das Unternehmen aus Herzogenaurach 40 000 freiwillige Helfer und 18 Olympia-Teams aus. Die EM-Endrunde ist ohne Adidas erst recht nicht vorstellbar. Aber auch Puma inszeniert sich groß als Fußballmarke und hat insgesamt fünf der 16 Teams unter Vertrag, darunter die beiden Gastgeber.

Während die Olympischen Spiele vor allem der Imagepflege dienen sollen, ist die Fußball-EM für Adidas eine echte Geldquelle. Marketing-Chef Erich Stamminger sagt: „Im Umfeld des Events zieht das Geschäft mit Bällen sowie Trikots und T-Shirts der beteiligten Mannschaften kräftig an. Auch Fußballschuhe verkaufen sich besser, weil der Sport wochenlang Mittelpunkt des täglichen Lebens ist und viele Jugendliche hinterher in die Vereine gehen.“

Wie der Sportausrüster am vergangenen Dienstag bekannt gab, konnte der Gewinn im ersten Quartal des Jahres deutlich gesteigert werden. Der Konzerngewinn verbesserte sich um 32 Prozent auf 169 Millionen Euro. Angesichts solcher Zahlen kann es Adidas verschmerzen, dass die französische Fußball-Nationalmannschaft dem fränkischen Unternehmen den Rücken kehrt und künftig für 40 Millionen Euro im Jahr vom schärfsten Rivalen Nike ausgestattet wird. Stamminger ist zuversichtlich, dass die Verkaufszahlen im Umfeld der EM sogar das WM-Jahr 2006 übertreffen. „Wir haben die Partnerschaften mit den Händlern erneut verbessert. Außerdem wird Fußball auf der ganzen Welt immer beliebter. Das hilft uns natürlich.“

Sowohl Adidas als auch Puma wollen in diesem Jahr jeweils 150 neue Mitarbeiter in Deutschland einstellen. Drei Viertel der Stellen werden von Akademikern besetzt. Bevorzugte Fachrichtungen: Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsinformatik, Sport und Sportökonomie sowie (Mode-)Design.

Mag der Dax-Konzern Adidas auch der Tradition verpflichtet sein und seine Zentrale im beschaulichen Herzogenaurach liegen, gedacht wird international. Businesssprache ist Englisch. Kein Wunder, von den weltweit 31 300 Mitarbeitern arbeiten gerade mal 3 200 in Deutschland. Chancen herumzukommen, bieten – unabhängig von der Fußball-EM – aber nicht nur die global tätigen Ausrüster ihren Mitarbeitern. Christian Kortmann zum Beispiel ist neuerdings in Asien, genauer: in Schanghai. Dort sitzt der 29-Jährige im Büro der Münchener Agentur Avantgarde und plant Werbe- und Promotionveranstaltungen für Weltmarktführer Nike.

Auch der US-Konzern will sich in Peking der Weltöffentlichkeit von seiner besten Seite präsentieren. Kortmann hat an der Deutschen Sporthochschule (DSHS) in Köln Sportwissenschaften mit Schwerpunkt Ökonomie und Management studiert und arbeitet seit vier Jahren für Avantgarde. „Im vergangenen Sommer habe ich mit meinen Chefs darüber gesprochen, dass ich mich beruflich verändern möchte“, sagt Kortmann. „Als dann das Angebot kam, nach China zu gehen, habe ich nicht gezögert.“

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Die Verbindung von Sport und Wirtschaft ist heute selbstverständlich

Beim Großereignis Olympia wollte er auf jeden Fall dabei sein. Dass der Job stressig und sehr zeitintensiv wird, kalkuliert er gerne ein. Nachtschichten und eine unausgewogene Mischung aus Job und Privatleben sind keine Seltenheit im Sportbusiness. „Wer mitspielen möchte, muss die teilweise gewöhnungsbedürftigen Arbeitszeiten akzeptieren. Die Veranstaltungen oder Spiele finden zumeist abends oder am Wochenende statt“, sagt Till Kraemer von der Personalvermittlungsagentur Sport-Job in Köln.

Rouven Kasper hat damit keine Probleme. Er betreut für den Sportrechtevermarkter Sportfive die Sponsoren beim Fußball-Zweitligisten FC Augsburg und ist bei jedem Heimspiel des Klubs im Einsatz – meist sonntags. Der 26-Jährige hat zudem das, was Marktexperte Kraemer Stallgeruch nennt: Er hat schon als Student in seiner Wunschbranche Praktika absolviert und Kontakte geknüpft. Während er in der Marketingabteilung von Hertha BSC hospitierte, lernte er etwa Olaf Bauer kennen, der ihm zum Praktikum bei Sportfive, seinem heutigen Arbeitgeber, verhalf.

Die Agentur, die 2001 aus einer Fusion von Ufa Sports mit zwei französischen Agenturen entstand, seit 2006 zum Konzern Lagardère gehört und sich am Markt mit Konkurrenten wie IMG und Infront misst, beschäftigt derzeit 250 Mitarbeiter in Deutschland. Aktuell vermarktet das Unternehmen acht Fußball-Erstligisten – darunter den Hamburger SV, Eintracht Frankfurt, Hertha BSC und Borussia Dortmund - sowie die Zweitliga-Teams in Kaiserslautern und Augsburg. Die Zeichen stehen auf Wachstum. Gesucht werden pro Jahr 30 bis 40 neue Mitarbeiter, nicht zuletzt deshalb, weil sich Sportfive neben dem Kerngeschäft Fußball verstärkt auch im Rugby und im Handball engagiert. Handball gilt spätestens seit dem WM-Triumph der deutschen Mannschaft Anfang 2007 als neues Schwergewicht in der Sportvermarktung.

Neben dem Marketing kümmert sich Sportfive auch um rechtliche Fragen. Hier kommt Till Johannsen ins Spiel. Der Jurist ist für die Verträge beim Ein- und Verkauf der Rechte zuständig. Eine spannendere Aufgabe kann sich der HSV-Fan gar nicht vorstellen, die ihn auch am Feierabend nicht loslässt: „Ich gucke mir Bundesligaspiele in der Sportschau mit anderen Augen als früher an. Schließlich kenne ich viele Kunden und achte deshalb besonders darauf, wie deren Banden- oder Trikotwerbung zur Geltung kommt.“ Straf- oder Zivilrecht dagegen hat den 31-Jährigen nie interessiert. „Ich wollte in die Wirtschaft. Dass ich Job und private Interessen verknüpfen kann, ist ideal“, sagt der Jurist.

Die Verbindung von Sport und Wirtschaft ist heute selbstverständlich. Dabei sind Studiengänge wie Sportökonomie und Sportmanagement noch vergleichsweise jung. Als erste deutsche Universität bot Bayreuth Sportökonomie 1985 an. 70 Studenten setzten sich damals in die Vorlesungen, unsicher, was auf sie zukommen würde.

„Wir haben die Idee des Sportmanagement-Studiums aus den USA übernommen. In den 80er-Jahren wurde Sport endgültig zum Werbemedium für die Unternehmen. Das Bedürfnis nach einer adäquaten Ausbildung war groß, und darauf haben wir reagiert“, erzählt Professor Herbert Woratschek.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Wer angesichts der Millionengehälter der prominenten Profis auf überdurchschnittliche Gehälter hofft, wird enttäuscht

Das Studium in Bayreuth umfasst drei Bereiche: Wirtschaft, Sport und Recht. „Unser Drei-Säulen-Konzept ist hierzulande einzigartig“, sagt Woratschek und verweist auf die große Nachfrage aus der Wirtschaft. Die Absolventen aus Bayreuth stehen hoch im Kurs. Das Alumni-Netzwerk der „Spökos“ tut sein Übriges, um Kontakte zu den Unternehmen, Vereinen und Verbänden herzustellen. 70 Studienplätze werden jährlich neu besetzt. Jobs wie bei Adidas, Nike oder in der Fußball-Vermarktung klingen verlockend und scheinen Glamour zu versprechen.

Doch den Traumjob findet dennoch nicht jeder Interessent. „Man kann von einer Zweiklassengesellschaft sprechen“, sagt Ulrich Semblat. Er ist Vorstandsvorsitzender des Verbandes für Sportökonomie und Sportmanagement in Deutschland (VSD) und beobachtet den Markt seit Jahren. „Die Stellen bei den großen Unternehmen und Profi-Klubs sind heiß begehrt. Aber Positionen bei kleineren Vereinen bleiben schon mal länger unbesetzt“, sagt Semblat. „Das erscheint vielen Sportmanagern nicht so attraktiv.“

Wer angesichts der Millionengehälter der prominenten Profis auf überdurchschnittliche Gehälter hofft, wird enttäuscht. Denn im Sportbusiness wird – im besten Fall – durchschnittlich gezahlt. Experte Kraemer schätzt, dass Berufseinsteiger verglichen mit anderen Branchen zehn bis 15 Prozent weniger Gehalt bekommen. Personalberater Nils Richter von Michael Page: „Ein BWLer verdient anfangs in der Sportartikelindustrie zwischen 2 500 und 3 000 Euro brutto im Monat. Bei Banken, in der Pharma- oder Automobilbranche wird sicher besser bezahlt.“ Erst Berufserfahrung und damit Personalverantwortung macht sich im Gehalt deutlich bemerkbar.

Diesbezüglich haben die Münchner Mirko Janetzke, Joachim Weissenbacher und Lars Grundmeier noch viel vor. Während Medien-Informatiker Janetzke, 26, für die Impire AG neue Fußball-Software entwickelt, mit der Zuschauer zuhause am Bildschirm mit Statistiken zu Elfmetern und Fouls der Bundesliga und der Europameisterschaft versorgt werden, arbeiten Grundmeier und Weissenbacher beim Deutschen Sport Fernsehen (DSF).

„Die Atmosphäre hier ist super, und man erlebt viele Sportler hautnah“, sagt Grundmeier. Wenn die Themen für die Sendungen „DSF Aktuell“ und „Bundesliga Aktuell“ besprochen werden, ist der Medienwissenschaftler hautnah dabei: Er erstellt die Teaser, also die Einspielfilme, die dem Zuschauer vor und nach den Werbeblöcken Appetit auf die Sendungen machen sollen. „Dafür muss man knackig texten können.“ Auch als Reporter bei Bundesliga-Spielen war er schon im Einsatz. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt Grundmeier. „Besser konnte es nicht laufen.“

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