Beim Großereignis Olympia wollte er auf jeden Fall dabei sein. Dass der Job stressig und sehr zeitintensiv wird, kalkuliert er gerne ein. Nachtschichten und eine unausgewogene Mischung aus Job und Privatleben sind keine Seltenheit im Sportbusiness. „Wer mitspielen möchte, muss die teilweise gewöhnungsbedürftigen Arbeitszeiten akzeptieren. Die Veranstaltungen oder Spiele finden zumeist abends oder am Wochenende statt“, sagt Till Kraemer von der Personalvermittlungsagentur Sport-Job in Köln.
Rouven Kasper hat damit keine Probleme. Er betreut für den Sportrechtevermarkter Sportfive die Sponsoren beim Fußball-Zweitligisten FC Augsburg und ist bei jedem Heimspiel des Klubs im Einsatz – meist sonntags. Der 26-Jährige hat zudem das, was Marktexperte Kraemer Stallgeruch nennt: Er hat schon als Student in seiner Wunschbranche Praktika absolviert und Kontakte geknüpft. Während er in der Marketingabteilung von Hertha BSC hospitierte, lernte er etwa Olaf Bauer kennen, der ihm zum Praktikum bei Sportfive, seinem heutigen Arbeitgeber, verhalf.
Die Agentur, die 2001 aus einer Fusion von Ufa Sports mit zwei französischen Agenturen entstand, seit 2006 zum Konzern Lagardère gehört und sich am Markt mit Konkurrenten wie IMG und Infront misst, beschäftigt derzeit 250 Mitarbeiter in Deutschland. Aktuell vermarktet das Unternehmen acht Fußball-Erstligisten – darunter den Hamburger SV, Eintracht Frankfurt, Hertha BSC und Borussia Dortmund - sowie die Zweitliga-Teams in Kaiserslautern und Augsburg. Die Zeichen stehen auf Wachstum. Gesucht werden pro Jahr 30 bis 40 neue Mitarbeiter, nicht zuletzt deshalb, weil sich Sportfive neben dem Kerngeschäft Fußball verstärkt auch im Rugby und im Handball engagiert. Handball gilt spätestens seit dem WM-Triumph der deutschen Mannschaft Anfang 2007 als neues Schwergewicht in der Sportvermarktung.
Neben dem Marketing kümmert sich Sportfive auch um rechtliche Fragen. Hier kommt Till Johannsen ins Spiel. Der Jurist ist für die Verträge beim Ein- und Verkauf der Rechte zuständig. Eine spannendere Aufgabe kann sich der HSV-Fan gar nicht vorstellen, die ihn auch am Feierabend nicht loslässt: „Ich gucke mir Bundesligaspiele in der Sportschau mit anderen Augen als früher an. Schließlich kenne ich viele Kunden und achte deshalb besonders darauf, wie deren Banden- oder Trikotwerbung zur Geltung kommt.“ Straf- oder Zivilrecht dagegen hat den 31-Jährigen nie interessiert. „Ich wollte in die Wirtschaft. Dass ich Job und private Interessen verknüpfen kann, ist ideal“, sagt der Jurist.
Die Verbindung von Sport und Wirtschaft ist heute selbstverständlich. Dabei sind Studiengänge wie Sportökonomie und Sportmanagement noch vergleichsweise jung. Als erste deutsche Universität bot Bayreuth Sportökonomie 1985 an. 70 Studenten setzten sich damals in die Vorlesungen, unsicher, was auf sie zukommen würde.
„Wir haben die Idee des Sportmanagement-Studiums aus den USA übernommen. In den 80er-Jahren wurde Sport endgültig zum Werbemedium für die Unternehmen. Das Bedürfnis nach einer adäquaten Ausbildung war groß, und darauf haben wir reagiert“, erzählt Professor Herbert Woratschek.
Lesen Sie weiter auf Seite 4: Wer angesichts der Millionengehälter der prominenten Profis auf überdurchschnittliche Gehälter hofft, wird enttäuscht
