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05.12.2008 
Falkensteins Weinprobe

Die Doña macht’s

von Pit Falkenstein

Im Sommer 1999 wagen die Brüder José Luis, Juan Marí und Iñigo Berzal Troncoso einen großen Sprung. Sie wollen ihren kleinen Winzerhof inmitten von Baños de Ebro aufgeben und am Rande des Städtchens ein neues modernes Weingut bauen. Ihr Traum: Crianzas und Reservas zu fertigen wie ihre berühmten Kollegen weiter oben in der Rioja. Heute zählt ihr Weingut Dominio de Berzal zu den führenden Adressen der Region.

Weinkenner Pit Falkenstein empfiehlt zum Berzal Crianza Kaninchen mit Reis. Foto: eco.oneLupe

Weinkenner Pit Falkenstein empfiehlt zum Berzal Crianza Kaninchen mit Reis. Foto: eco.one

Die drei Brüder riefen Gonzalo Rodriguez in Toledo an, einen der besten Önologen Spaniens. Der hatte keine Zeit, versprach aber, gleichrangigen Ersatz zu schicken. Den Männern fielen die Kinnladen herunter, als eine ranke, blonde Frau mit hörbar deutschem Akzent vor der Tür stand. Eine mujer und dazu noch eine alemana wollte ihnen erklären, wie Rotwein gemacht wird? Impossible!

Doch Alexandra Schmedes ließ die drei, allesamt raubeinige Kerle, nicht lange ausreden und herumdebattieren. Sie bat darum, ihr den ganzen Betrieb zu zeigen. Im Keller diktierte sie, welche Gerätschaften notwendig seien. In den Weingärten bemängelte sie den viel zu hohen Behang. Da müsse wenigstens ein Drittel der Trauben herausgeschnitten werden. Gesagt, getan. Im Herbst reiste Schmedes wieder an und half, mit den noch unzulänglichen Mitteln einen leidlich guten Wein zu fertigen.

Im Jahr darauf wurde der neue Keller fertig. 2001 gab es eine köstliche Crianza, bald danach auch gehaltvolle Reservas. Die Berzal-Brüder ließen nichts mehr auf ihre Doña Alexandra kommen. Zu Recht: Ihr Weingut Dominio de Berzal zählt heute zu den führenden Adressen in der Rioja.

Schmedes, 41 Jahre alt, kommt ursprünglich aus dem Hotelfach. In der Nähe von Kapstadt leitete sie ein Restaurant, bis ihr „der Deckel auf den Kopf fiel“. Sie arbeitete in einem Weinkeller, praktizierte bei deutschen Spitzengütern und lernte Gonzalo Rodriguez kennen, mit dem sie nun gemeinsam die Weinberatung Mas qué Vino und die kleine Bodega Ercavio in Toledo leitet.

Nachdrücklich zu empfehlen ist die 2005er Crianza von Berzal. Ein mächtiger Duft steigt aus dem Glas auf – nach roten Johannisbeeren, Erde und etwas Eichenholz. Eine urwüchsige Note ist dabei, die geeichte Weinfreunde als animalisch beschreiben. Der Wein kommt zart auf die Zunge und blüht allmählich auf, bis er schier explodiert und lange, lange ausklingt. Solch einen Tropfen sollte man unbedingt dekantieren.

Am Ebro gibt es dazu Kaninchen: zerteilen, mit Salz, Pfeffer, Thymian und Olivenöl marinieren. Später mit Zwiebeln und Knoblauch anbraten, mit Weißwein ablöschen. Alles in eine feuerfeste Form geben, Möhren, Tomaten, Zwiebeln und Oliven hinzufügen. Bei 80 Grad eine Stunde im Ofen garen. Dazu Reis.

Berzal Crianza

  • Jahrgang: 2005
  • Rebsorte: Tempranillo, Graciano
  • Anbaugebiet: Rioja Alavesa
  • Analyse: 13,5ll Alkohol, 4,7 g Säure, 1,7 g Restzucker (pro Liter)
  • Trinken bis: 2010
  • Preis ab Lager: 12,95 Euro

Adresse:
Weinstraße Köster
Senefelder Straße 1
33100 Paderborn
Tel. 052 51/596 66, Fax - 54 18 83
info@weinstrasse-koester.de
www.weinstrasse-koester.de

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