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27.06.2008 
Falkensteins Weinprobe

Ein Strauß von Düften

von Pit Falkenstein

Philippe Schwach ist eine machtvolle Erscheinung, groß und kantig. Wer ihn nicht kennt, empfindet den 53-jährigen Winzer zuerst einmal als abweisend. Es dauert eine Weile, bis das Misstrauen aus seinen Augen weicht. Sohn Sébastian tritt da viel verbindlicher auf. Gemeinsam ist beiden, dass sie sich Zeit lassen in den Reben und im Keller. Resultat ist der ausgezeichnete 2006er Riesling.

Seit fünf Jahren leiten die beiden gemeinsam das kleine Weingut im elsässischen Hunawihr. Und? Läuft die Zusammenarbeit gut? „Jetzt ja“, antwortet der Senior spontan. Der knappen Antwort ist zu entnehmen, dass der Sohn wohl lange Zeit einen schweren Stand gegenüber dem hartschädeligen Vater gehabt haben muss.

Derzeit versucht Sébastian Schwach seine Idee durchzusetzen, den Betrieb auf biologische Anbauweise umzustellen. Der Alte wehrt noch ab: „Warum? Wir arbeiten doch schon die ganze Zeit so naturnah wie möglich.“ Wenn er an seinen Vater François zurückdenkt, der den Reben noch höchstmögliche Erträge abtrotzte, dabei spritzte und düngte, was das Zeug hielt, dann hat sich in Sachen Qualität und Ökologie eine Menge getan. Der Junior aber möchte nun noch einen Schritt weitergehen, und es scheint, als werde er à la longue recht behalten.

Gemeinsam ist beiden, dass sie sich Zeit lassen in den Reben und im Keller. Die Weine werden oft erst im Frühsommer filtriert. Sie bleiben lange auf der verbrauchten Gärhefe liegen, was Geschmack wie Haltbarkeit fördert.

Ein wunderlicher Tropfen ist der 2006er Riesling aus der Grand-Cru-Lage Muehlforst. Sophisticated wäre das rechte Wort für diesen Wein.

Ein Strauß von Düften steigt aus dem Glas: Rauch, Sandelholz, Liebstöckel, Champignons. Der Geschmack von einem vollreifen gelben Pfirsich füllt den Gaumen aus. Die appetitliche Säure mischt sich höchst angenehm mit den reichen steinigen Aromen.

In seiner Jugend wollte Philippe Schwach Koch werden. Doch ein Schnupperkurs im gefeierten Restaurant Haeberlin reichte, um den Traum zu begraben. Wenn’s nicht Pflicht ist, steht der Winzer gerne am Herd. Zum Muehlforst empfiehlt er Zander auf der Haut gebraten. Dazu mildes, zweifach gewaschenes Sauerkraut, kurz gekocht, noch knackig, und eine üppige Sahnesauce mit Riesling.


Muehlforst Grand Cru
  • Jahrgang: 2006
  • Rebsorte: Riesling
  • Anbaugebiet: Elsass
  • Analyse: 12,9ll Alkohol, 7,6 g Säure, 10,1 g Restzucker (pro Liter)
  • Trinken bis: 2010
  • Preis ab Weingut: 7,70 Euro

Adresse:
Domaine François Schwach & Fils
28, Route de Ribeauvillé
68150 Hunawihr
Tel. 00 33 389/73 62 15, Fax -73 37 84
info@schwach.com
» www.schwach.com

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