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27.07.2007 
Falkensteins Weinprobe

Gewisse Würde

von Pit Falkenstein

Das Traisental ist urzeitliches Weinland. Das Museum in Nussdorf besitzt 4 000 Jahre alte Traubenkerne und die Nachbildung einer Schale aus der Bronzezeit, die mit Trinkszenen geschmückt ist. Als eigenständiges Weinbaugebiet gibt es die anmutige Landschaft aber erst seit zwölf Jahren.

Bis vor zwölf Jahren wurde das Traisental mal Klosterneuburg zugeschlagen oder ging im Donauland-Verbund unter. Das Tal erwacht erst allmählich aus tiefem Schlaf. Tüchtige Winzer machen auf sich aufmerksam. Es kommen Weinfreunde angereist, denen die Wachau zu berühmt geworden ist. Darauf ist die Gegend südlich der Donau aber noch nicht eingerichtet. Es gibt zu wenig Betten.

In Traismauer entsteht gerade ein Schlosshotel. Daran beteiligt sich Markus Huber aus Reichersdorf, den die Wiener Zeitschrift "Vinaria" schon als "Traisentaler Shooting-Star" feiert. Der betont lässig auftretende 28-jährige Blondschopf hat den elterlichen Bauernhof mit Heurigen-Schänke zu einem properen Weingut umgebaut. "Entweder mach? ich was G?scheites, oder ich such? mir was anderes", tut er kund. Sein erster Jahrgang war der 2000er. Da studierte er noch in Klosterneuburg. 2004 entstand ein neuer Keller, in dem die Schwerkraft regiert. So wird der Most nicht so stark durch Pumpen strapaziert. Neben Edelstahl finden sich auch Fässer aus Akazienholz. Das verleiht den Weinen eine gewisse Würde. Hubers wichtigste Rebsorte ist der Grüne Veltliner, der auf den kalkreichen Böden dort eine eigenwillige Note bekommt. Oft sind die Weine anfänglich verschlossen und zeigen erst im zweiten Jahr ihre ganze Schönheit.


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Nun war 2006 ein großartiger Herbst. Da kommt der Veltliner schon etwas früher mit üppigen Aromen daher. Hubers Wein von der Riede, also der Lage, "Obere Steigen" verströmt würzige Düfte in reichem Maße. Fast scheint es, als sei etwas Sauvignon blanc dabei. "Kann nicht sein", sagt der junge Mann lachend, "hab? ich nicht." Der völlig durchgegorene, knackige Tropfen muss eine Weile offen stehen. Dann löst sich das Aroma von Birnen, und der Wein gleitet fast cremig über die Zunge.

Rainer Melichar, der das Restaurant "Weintraube" in Traismauer führt, experimentiert mit konzentrierten Gemüsesäften. Zu Hubers Veltliner schlägt er ein Carpaccio von Steinpilzen vor. Für vier Personen sollte es schon ein Pfund sein. Ein Drittel davon wird klein geschnitten, mit der doppelten Menge Wasser aufgesetzt und entsaftet. Das geht notfalls mit dem Mixer. Dann die Masse durch ein Tuch pressen, den Saft auf ein Drittel einkochen, noch mal durch ein Tuch geben, schließlich mit Traubenkernöl, Limettensaft und etwas Apfelessig verrühren, salzen und pfeffern. Die restlichen Pilze fein hobeln, mit Marinade begießen und mit Kapuzinerkresse servieren. Dazu schmeckt geröstetes Walnussbrot.


Obere Steigen, Markus Huber

Jahrgang: 2006

Rebsorte: Grüner Veltliner

Anbaugebiet:Traisental/ Österreich

Analyse: 12,7° Alkohol, 6,5 g Säure, 2,1 g Restzucker (pro Liter)

Trinken bis: Ende 2008

Preis: 8,50 Euro

Adresse: Vincent Becker, Gewerbestraße 11, 79285 Ebringen; Tel. 076 64/979 80, Fax - 97 98 99; info@vincent-becker.de; » www.vincent-becker.de

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