TSG-Geschäftsführer Jochen A. Rotthaus: "Wir wollen mit großen gefühlen gute Geschäfte machen." Foto: PR
Der heimatverbundene Hopp, 68, startete sein TSG-Mäzenatentum vor 18 Jahren und veränderte damit die Region. Zuerst fast unmerklich mit Spenden für soziale und sportliche Einrichtungen, Krankenhäuser, Altersheime und Jugendausbildung. Dann stellte er mit „Hoffe“ alles nachhaltig vom Kopf auf die (Fußballer-)Füße.
Hoffenheim, der blinde Fleck auf der deutschen Landkarte, spielte sich in das Bewusstsein der Kicker-Republik. Bekam ein Gesicht. „Niemand kannte uns vorher. Jetzt sind wir in den Nachrichten“, freut sich der Bahnwärter, „und in der Sportschau. Weltberühmt sind wir.“ Selbst in Südafrika.
„Hopp-County“ im Tal der Elsenz erlebt ein Wunder. Statt die deutsch patentierten Eigenschaften Neid und Missgunst anzufachen, hat der Unternehmer den emotionalen Haushalt der Menschen saniert: durch Beteiligung am Erfolg. „In Hoffenheim ist nicht länger die Hoffnung zu Hause, hier wohnt der unaufhaltsame Wille zum großen Erfolg“, knallt es forsch aus TSG-Geschäftsführer Jochen A. Rotthaus, einem smarten Manager, der schon den VfB Stuttgart wirtschaftlich weit voranbrachte.
Und Erfolg ist die feinste Einbindung der Provinz ins große Ganze. „Wenn nur viel Geld wäre – ohne Erfolg –, wären die Neuen bei uns nur die Reichen und die Schnösel“, kennt Metzgermeister Erwin Heß, 41, seine Leut'. So aber spenden sie Hopp das größte, nicht ganz selbstlose Lob, das die Provinz retour spendet: „Er ist einer von uns.“ Auch der Kurde Ahmed sagt's: „Selbst wenn er noch nie einen Döner bei mir bestellt hat.“
In den Augen der Hoffenheimer ist der Milliardenerfolg des Giganten Hopp – sein Vermögen wird auf sechs Milliarden geschätzt – auch in seiner Grandiosität nur zweitrangig. Er hat – viel wichtiger – ihren Dorfclub mit einem bekannten Trainer, engagierter Nachwuchsförderung und modernsten Fitness-Methoden vom müden Bolzverein zweitniedrigster Klasse, von ganz unten nach ganz oben gebracht – und in eine nationale Sensation verwandelt. Spielerisch brillant und mit unglaublichen Laktose-Werten im Blut schießt sich die Truppe mit jungen Talenten aus Brasilien, Ghana, Senegal und der Türkei gerade im Fußballhimmel auf Fußhöhe zu München, Hamburg und Berlin.
Das gibt's nirgendwo auf der Welt. Selbst ein Roman Abramowitsch, der russische Multimilliardär, kann da nicht mithalten. Der hat sich beim FC Chelsea in eine längst mit Geld gut geölte Millionenmaschinerie mit arrivierter Star-Truppe eingekauft, die ohne Armani- und Cerruti-Suits Londons Öffentlichkeit scheut.
Hopp schlendert in blassrosa Polohemd und stonewashed Jeansins Geschäftsführer-Büro seines „Dietmar-Hopp-Stadions“ am Berg hoch über dem Dorf. Das wird im Jahr 2010, wenn die neue Arena fertig ist, Geschichte sein. Florida-gebräunt, mustert der passionierte Golfer sein Gegenüber zehn Minuten vor dem vorentscheidenden Kick gegen Koblenz.
Während sich Bruder Rüdiger mit Ex-Fernsehsportmoderator Dieter Kürten fürs Spiel hochstimmt, stapelt er tief. „Die Bundesliga war von mir nie eingeplant. Irgendwann sind wir aufgestiegen, und mit dem Erfolg stieg der Appetit.“ Aha. Im Jahr 1989, als die TSG in den Abstiegsstrudel geriet, hat ihn sein mitleidendes Fußballerherz zunächst zum Nothelfer berufen. Und dann nicht mehr losgelassen.
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