Dieser Milliardär ist kein Mann des Überflusses. Er formuliert knapp, gestikuliert kaum. Seine sparsame Mimik erlaubt kein Zeichen des Überschwangs. Nicht mal beim späten, erlösenden Führungstreffer seines Clubs gegen Koblenz. „Wir sind längst aus der Start-up-Phase heraus“, zieht er nüchtern Zwischenbilanz. Er selbst ist für den Verein nicht nur ein Neugründer, sondern ein „Business-Angel“ – einer, der etwas riskiert und richtig Kohle vorschießt.
Über das Budget redet er nicht. Doch allein das neue Stadion in Sinsheim lässt er sich 60 Millionen Euro kosten, und in der laufenden Saison hat er schon 20 Millionen für Spieler berappt. Neue muss er kaufen, sonst bleibt die Erste Liga nur ein Ausflug. Für den erfolgreichen Start-up-Gründer wäre jetzt der Moment gekommen: an die Börse oder verkaufen. Hopp zieht schnell ab: „Verkauft wird niemals.“
Profitabel aber muss es zugehen. „Wir wollen den Erfolg. Das heißt: schwarze Zahlen.“ Geschäftsführer Rotthaus, der bei solchen Worten sofort Druck spürt und auf dem Stuhl unruhig hin und her rutscht, interpretiert: „Das geht nur in der Ersten Bundesliga.“ Und fügt an: „Wir wollen mit großen Gefühlen gute Geschäfte machen.“
An der Wand prangt das Vehikel für beides: Der Bauplan für die neue Arena mit 30 000 überdachten Plätzen, 40 „exklusiven VIP-Logen“, einem „Business-Club“ mit 1 200 „Business-Seats“ und, logo, einem großen Raum für die „Sportschau“. Der ist im Plan extra fett umrandet. Denn Fernsehen und Fernsehwerbung sind neben einem vollen Stadion und Franchising die schönsten Geldquellen der Vereine.
Bür Bild: Das neue Stadion für die TSG Hoffenheim
Scheinbar nebenbei lässt Mäzen Hopp einen Satz vom Leder, der sein Auftreten kennzeichnet: „Es wäre vermessen von mir, wenn ich mich als Vorbild hinstellen würde.“ Gegen diese Auskunft aber erheben viele Zeugen in der Region Einspruch. Vom Zeugwart und Jugendtrainer bis zum fußballbegeisterten Chef des „Il Giardino“ in Sinsheim, vom Avia-Tankstellenpächter bis zum kurbelnden Schrankenwärter.
Auch Rolf Geinert, Sinsheims Oberbürgermeister, schmunzelt. Vor vier Jahren wurde der gebürtige Wuppertaler und gelernte Genosse Oberbürgermeister in der CDU-Hochburg. Da hat er es sofort mit Hopp zu tun bekommen – und konnte ihm heimlich den Standort fürs neue Stadion ins Ohr flüstern. Was folgte, war eine Erfolgsstory, für die er nur das Wort „Märchen“ gelten lässt.
In Wahrheit hat das moderne Märchen vom Gutmenschen mit den vollen Taschen viele Kapitel. Fußball ist nur das schrillste. Andere kommen leiser daher. Zwei Drittel seines Milliardenvermögens hat der SAP-Gründer in die „Dietmar Hopp Stiftung“ gesteckt. Global hat der Manager sein Geld verdient, regional gibt er es als Rentner im Unruhestand wieder zurück. „Das Kapital bleibt in der Heimat,“ freut sich Geinert – und die ganze Rhein-Neckar-Region.
So finanziert die Stiftung in Heidelberg ein Krebsforschungszentrum, darüber hinaus allerorten Schulen, Altersheime, Forschungsinstitute. Viele karitative Einrichtungen wären ohne Hopp nicht entstanden oder längst über die Wupper gegangen. So dezent er selber die Kapitel anstimmt, hier sind sie allen bekannt.
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