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05.12.2006 
Champions-League

Werders Reifeprüfung im Nou Camp

von Marcus Pfeil

Am Dienstagabend kann der SV Werder die letzte Stufe auf dem Weg zu einem europäischen Spitzenklub nehmen. Doch die Fußballwunder erprobten von der Weser sind gegen Barcelona nicht mehr auf Europacup-Magie angewiesen. Mit Spielern wie Klose und Diego verfügt das Team von Thomas Schaaf über die nötige individuelle Klasse, die solch ein Spiel entscheiden kann.

Barcelona zeigt viel Respekt vor Werder. Quelle: ReutersLupe

Barcelona zeigt viel Respekt vor Werder. Quelle: Reuters

BARCELONA. Für Klaus Allofs war es schon vor dem 1:0 gegen den FC Chelsea vor zwei Wochen soweit. Auf fußballpolitischer Ebene, im Kreis der 14 wichtigsten Vereine Europas, soll sein Arbeitgeber endlich ein Stimmrecht haben. Für den Manager gehört der SV Werder Bremen längst in diesen Kreis. Die sportliche Legitimation muss heute Abend folgen, wenn seine Bremer gegen den großen FC Barcelona um den Einzug ins Achtelfinale der Champions League spielen.

Es geht um viel für Werder Bremen. Längst nicht nur der Einzug in die nächste Runde steht auf dem Spiel, für die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf geht es um den Aufstieg in die Beletage des europäischen Vereinsfußballs und um die vielleicht einmalige Gelegenheit, die Königsklasse sogar gewinnen zu können.

Der Auftritt heute Abend im Camp Nou kann die Vereinsgeschichte verändern. Es ist die historische Chance für die Norddeutschen, sich von einem Provinzklub zu einem der arrivierten Fußballvereine Europas zu emanzipieren.

Schlachten geschlagen haben sie in Bremen schon immer, Wunder haben sie an der Weser fast am Fließband fabriziert, wie beim 6:2 im November 1987 gegen Spartak Moskau oder ein Jahr später beim 5:0 gegen den BFC Dynamo oder 1999 beim 4:0 gegen Olympique Lyon. Einmal haben sie es sogar geschafft, den Europapokal der Pokalsieger nach Bremen zu holen, 1992, als Klaus Allofs und Wynton Rufer zum 2:0 gegen den AS Monaco trafen. In der Champions League aber haben sie in den vergangenen Jahren keine Wunder mehr vollbracht. Oft fehlten in den entscheidenden Momenten die Nerven, anders sind die 3:7-Heimpleite vor zwei Jahren gegen Lyon oder Torwart Wieses folgenschwerer Fehler im vergangenen Jahr gegen Juventus Turin nicht zu erklären.

Der feine Unterschied zu eben dieser Vergangenheit ist, dass morgen Abend eine Mannschaft auf dem Platz steht, die keine Wunder mehr nötig hat. Schließlich vermochte sie es, sich in der viel zitierten „Todesgruppe“ spielerisch eindrucksvoll einen Zwei-Punkte-Vorsprung gegen den Titelverteidiger aus Barcelona zu verschaffen und den FC Chelsea zu schlagen. Und so demonstrieren Spieler, Trainer und Manager in diesen Tagen ein Selbstverständnis wie man es in Deutschland bislang nur von den großen Bayern kannte.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Wir haben uns das verdient."

„Wenn wir uns in dieser Gruppe durchsetzen, dann hat das nichts mit Zufall zu tun“, sagt Allofs. Es habe keine glücklichen Umstände gegeben, die Werder begünstigt hätten. „Wir haben uns das verdient. Das kann man ruhig mal erwähnen.“

Ja, sie hätten es sich verdient. Das sollte man in der Tat erwähnen. Schließlich haben die Nationalspieler Per Mertesacker, Torsten Frings und vor allem Miroslav Klose die Mannschaft mit dem Klinsmann'schen Siegeswillen infiziert, so dass diese morgen vor 100 000 Zuschauern ohne diese Angst aufläuft, die Tim Borowski nach dem 3:1 im Vorrundenspiel im vergangenen Jahr noch kleinlaut zugab. „Wir haben keine feuchten Hände mehr, wenn wir nach Barcelona fahren“, sagt Allofs heute.

Die Angst haben sie sich weggespielt, Respekt haben sie sich erarbeitet. So viel Respekt, dass sich Barcas Mittelfeldstar Deco trotz des Gruppengegners Chelsea zu der Aussage hinreißen ließ, „dass wir gegen Werder unser bestes Spiel des Jahres abliefern müssen“.

Es ist vielleicht die beste Bremer Mannschaft, die es je gab, das spüren sie inzwischen selbst in Barcelona. Das weiß auch Klaus Allofs. Er weiß, dass er Miroslav Klose nicht mehr lange wird halten können in seinem Kader. Mit jedem seiner Tore wächst die Begierde in Europa, wächst Kloses Marktwert. Und da spielt es auch keine Rolle, ob sich der spanische Journalist, der am Wochenende davon schrieb, dass Kose zum AC Milan wechselt, an die Wahrheit hielt oder diese Aussage frei erfunden hat. 20 Millionen Euro gelten als sicher, vielleicht werden es auch 35 Millionen. Auch das weiß Klaus Allofs.

Es wäre es das Geschäft seines Lebens, schließlich hat er Klose vor zwei Jahren für fünf Millionen Euro aus Kaiserslautern geholt. Allofs hat es immer wieder verstanden, den Bremer Kader maximal zu verstärken. So dürfte am Ende die kaufmännische Vernunft siegen und Klose gehen. Nur wäre das gleichbedeutend mit dem Ende einer Ära in Bremen. Damit diese aber überhaupt erst beginnt, sollten die Bremer heute zumindest Unentschieden spielen.

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