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17.08.2006 
Streit um Sportwetten

Wetten, dass wir euch kleinkriegen?

von Thomas Knüwer und Michael Scheerer

Der Kampf um den deutschen Sportwettenmarkt ist zum großen Tuscheln und Verleumden geworden. Private und staatliche Anbieter spielen zunehmend foul.

DÜSSELDORF/BRÜSSEL. Nur ein Ball verhüllt die Gemächte. Ansonsten sind sie nackt bis auf die Stutzen, die Laiber der Spieler des SV Niederkassel. Der B-Kreisligist aus der Bonner Gegend ließ sich für die „Bild“-Zeitung unbekleidet ablichten. Grund: Seinem Hauptsponsor, dem Sportwettenunternehmen Bwin, ist in seiner Heimat Sachsen das Geschäft untersagt worden – womit er in weiten Teilen Deutschlands nicht mehr werben darf. Auch nicht mehr in Niederkassel.

Der Nacktauftritt der Hobbykicker gehört zu den unterhaltsameren Sottisen der vergangenen Woche. Was sich sonst tat in Sachen Sportwetten dürfte allenfalls berufszynische Juristen ein böses Grinsen entlocken: Der erbitterte Kampf um die Frage, ob private Wettenanbieter in Deutschland agieren dürfen, hat sich verwandelt in einen schlammschlachtigen Kommunikationskrieg.

Nun ist der deutsche Wettmarkt eine komplizierte Sache. Rund zwei Milliarden Euro schwer soll er sein, genau weiß das niemand. Eigentlich darf nur der Staat Sportwetten anbieten. Dessen Lottogesellschaften ersetzten das alte Toto mit Oddset. Umsatz 2005: 432 Millionen Euro, Tendenz sinkend. Denn kurz vor der Wiedervereinigung erteilten die DDR-Behörden vier Bürgern eine Sportwettenlizenz. Im Einigungsvertrag wurden diese nicht erwähnt, womit sie gültig sind. Mit ausländischem Geld wurden daraus Unternehmen, die Oddset vor allem im Internet attackieren. Das Größte: Bwin, das bis vor kurzem Betandwin hieß – zum einen ein an der Wiener Börse notiertes, weltweit agierender Wettkonzern mit 1,13 Milliarden Umsatz, zum anderen eine deutsche Tochter, die den Österreichern zu 50 Prozent gehört. Und schließlich gibt es noch jene Wettvermittler, deren Büros deutsche Innenstädte pflastern, und die Wetten vermitteln in Länder mit geringer Wettsteuer, etwa Gibraltar und Malta. Kompliziert? Das ist erst der Anfang. Denn je nach Bundesland und Neigung der Gerichte wurden jüngst Wettbüros geschlossen, geduldet oder erlaubt. Nicht anders verhält es sich nun mit den DDR-Lizenzen: Während das Land Sachsen gegen Bwin mit Sitz in Neugersdorf nahe Zittau vorgeht, arbeitet Sportwetten Gera aus Thüringen ruhig weiter.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Journalisten müssen sich keine Sorgen machen, dass sie den Überblick verlieren – dafür sorgen die Kontrahenten.

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