Journalisten müssen sich keine Sorgen machen, dass sie den Überblick verlieren – dafür sorgen die Kontrahenten: Mal wird anonym eine Anzeige gegen Wettfirmen gefaxt, weil deren Kundenkonten angeblich als Bankgeschäfte gegen das Kreditwesengesetz verstoßen. Dann werden Informationen weitergeleitet, dass Bwin existenzgefährdende hohe Steuernachzahlungen bevorstünden.
Die Privaten kontern mit einer Flut von Neuigkeiten über Gerichtsurteile – so sie zu ihren Gunsten ausfallen. Per Telefon wird dann explizit auf das Geflecht von Lottogesellschaften und Politik hingewiesen: „Wissen Sie eigentlich, dass Herr Staupe im Aufsichtsrat von Sachsenlotto sitzt?“ stichelte der Pressesprecher eines Wettunternehmens vergangene Woche gegen den sächsischen Staatssekretär, in dessen Bereich die Bwin-Untersagung fällt.
Immerhin ist das die Wahrheit. Und mit der nimmt es die Gegenseite nicht immer so genau. Wer mit Norbert Teufelberger über dieses Thema spricht, kann sich auf lange Diskussionen einrichten – der Co-Chef der Wiener Bwin mag nicht mehr gelassen sein: „Mich ärgert, wie von Seiten der Politik eine PR-Kampagne mit wissentlicher Falschinformation betrieben wird.“
Klingt nach Polemik. Doch erscheint es zumindest befremdlich, wenn der sächsische Staatssekretär Staupe behauptet, in Italien sei es gelungen, ein Staatsmonopol durchzusetzen. Munter übernimmt das manches Medium. Nur: Ab 1. Januar 2007 wird der italienische Markt weitgehend liberalisiert.
Oder die Sache mit dem Schutz vor Spielsucht. Diesen könne nur die Kanalisierung der Wettleidenschaft auf einen staatlichen Monopolisten gewähren, behaupten die Oddset-Freunde. Beweisen soll das eine Studie der Universität Bremen. Was sie verschweigen: Das Werk wurde von Westlotto gefördert. Nun will Bwin mit einer Studie der Uni Harvard gegenhalten – die Bwin bezahlt.
Lesen Sie weiter auf Seite 3: Der Krieg um Worte und Wetten wird im Herbst wohl auch die EU-Kommission auf den Plan rufen.
