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17.08.2008 
Phelps-Rekord

Acht Akte zwischen Illusion und Wirklichkeit

von Marcus Pfeil

Es ist eine unfassbare Leistung: Acht Goldmedaillen hat Michael Phelps bei den Olympischen Spielen in Peking erschwommen - sieben davon in Weltrekordzeit. Nicht wenige glauben, dass es dabei nicht mit rechten Dingen zuging. Ein vielleicht letzter Versuch, einfach nur Fan sein zu können.

Goldjunge Phelps: Im Medaillenspiegel ganz weit vorn. Foto: ReutersLupe

Goldjunge Phelps: Im Medaillenspiegel ganz weit vorn. Foto: Reuters

"Im wahren Leben musst du unfassbar hart trainieren, sehr begabt sein und ein perfektes Team aus Trainern und Betreuern haben. Und dann machen die besten Drogen den Unterschied. Leichtathletik, Radsport, Schwimmen – alles verseucht. Saubere Höchstleistungen sind ein Märchen."

Der Mexikaner Angel Heredia hat das so gesagt. Und er muss es wissen, denn er hat neun Jahre lang Spitzensportler in aller Welt mit Dopingmitteln versorgt. Dann hat er ausgepackt. Die Sprinterin Marion Jones sprintet deshalb nicht mehr, und ich fahre nach Peking und bin sicher, dass kein Mensch der Welt acht Goldmedaillen bei Olympia gewinnen kann, der vorgibt sauber zu sein. Dann sehe ich Michael Phelps zum ersten Mal schwimmen. Er unterbietet seinen eigenen Weltrekord über 400m Lagen um 1,41 Sekunden, schon klar.

Eine Woche später läge dieser Michael Phelps im Medaillenspiegel auf Platz vier, gleich hinter Deutschland, wenn er für sich selbst starten würde. Für sieben seiner acht Goldmedaillen ist er Weltrekord geschwommen. Die Chinesen kreischen seinen Namen, als ob Michael Jackson noch einmal die Bühne betreten hätte. Journalisten applaudieren, wenn er den Saal betritt, reißen Absperrgitter ein, um ihm nahe zu kommen. Und weil es trotzdem nicht alle schaffen, übertragen sie seine Sätze in den Katakomben des National Aquatic Center über ein Transistorradio. Und ich weiß nicht mehr, was ich glauben soll. Als Kristin Otto 1988 in Seoul sechsmal Gold gewann, war ich noch zu klein, um an der Wahrheit zu zweifeln. Damals beschmutzte der Verdacht noch nicht die Bilder des Triumphs.

US-Superstar Michael Phelps - der amerikanische Goldfisch auf Rekordjagd

Als Michael Phelps vor mir steht, ist er nicht so groß wie die anderen, auch nicht so Muskel beladen wie der Franzose Alain Bernard zum Beispiel. Sein Kiefer ist nicht auffällig, keine Pickel, nur die Zähne stehen ein wenig schief, aber er kommt aus bescheidenen Verhältnissen, vielleicht konnte seine Mutter ihm die Spange nicht bezahlen. Das soll der größte Athlet aller Zeiten sein, den ich einfach so verehren darf?

So ziemlich jeder Experte erklärt mir in Peking die neuen Raketenanzüge, deren Nähte Laser haben verschwinden lassen, sie sagen, dass Schwimmen sich globalisiert habe und Konkurrenz das Geschäft belebe, deshalb mehr trainiert wird und die Schwimmer mehr Muskeln haben. Denn je schneller sie schwimmen, desto höher der Wasserwiderstand und desto mehr Kraft brauchen sie, um diesen halten zu können. Deshalb auch keine Nähte mehr. Und dann auch noch dieses drei Meter tiefe Becken, mit einer Klimaanlage, die ständig frische Luft über die Wasseroberfläche direkt in die Nase der Schwimmer bläst. Deshalb die 78 Weltrekorde in diesem Jahr, und 26 im Wasserwürfel. Alles sei eben professioneller geworden. Aber wie viel davon ist Illusion?

Dieser Michael Phelps soll der professionellste von allen sein, trainiert angeblich sogar Weihnachten, sagt sein Trainer Bob Bowman. Er erzählt, wie sie sich für jedes Rennen eine Strategie zurechtlegen, so wie über die 200m Freistil, als Phelps im Vorlauf gerade so schnell ist, dass er den anderen im Finale auf Bahn sechs fast unbemerkt entkommt.

Zudem preisen alle seine Wendetechnik, sehnig ist er, seine Knochen sind so biegsam wie Gräten. Ich schaue mir die Unterwasseraufnahmen an – sieht schon ein bisschen nach Delfin aus. Jedenfalls beginnt der Beinschwung bei ihm schon im Oberkörper, unter dem Brustmuskel, das erhöht die Kraftübertragung wie bei einer Peitsche, wenn man sie zu schwingen versteht.

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