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02.07.2005 
Wie Frankreich mit neuen Qualitätsbezeichnungen seine Weinkrise meistern will

„20 Prozent Gangster“

von Katja Hassenkamp, Handelsblatt

Es gärt unter Frankreichs Winzern. Weltweit brechen Marktanteile weg. Der Export von Weinen mit der Herkunftsbezeichnung "Appellation d?Origine Contròlée", kurz AOC, geht anhaltend zurück. Nur einzelne Landweinlagen haben Erfolg; sogar der inländische Konsum ist rückläufig.

Und das alles, während gerade der 100. Geburtstag der französischen Qualitätsbezeichnung AOC gefeiert wird. Die Fachleute des Nationalen Instituts für Herkunftsbezeichnungen (INAO) nutzten in der vergangenen Woche die Weinmesse Vinexpo in Bordeaux, um endlich Reformen in Gang zu setzen.

Die Ausgangslage: Das französische Weinsortiment ist selbst für Kenner nur schwer lesbar und schreckt Einsteiger völlig ab. 467 AOC-Bezeichnungen, dann 124 Grands Crus allein im Raum Bordeaux, 150 geographisch ausgewiesene Landweinsorten und sage und schreibe 562 Burgunder-Premier-Cru-Lagen.

Auch haben sich die gallischen Winzer allzu lange auf ihren Lorbeeren ausgeruht, anstatt ihr kompliziertes Angebot lesbar zu machen. Das Etiketten-Theater brachte berühmte Winzer schon dazu, statt AOC-Weine schlichte "Vins de table", also Tischweine, zu keltern.

So hat der Besitzer des Grand Cru Château Soutard, François des Ligneris, im vergangenen Herbst beschlossen, Tischwein zu keltern. Zwar nimmt er dafür nicht die Trauben seines berühmten Gutes in Saint-Emilion, sondern keltert Trauben aus der Region Entre-Deux-Mers südöstlich von Bordeaux. Aber vorher wurde aus diesen Reben ein AOC-Bordeaux hergestellt.

Marketingstrategie oder Provokation? Fest steht: Zuvor hatte noch nie ein Grand-Cru-Produzent ordinären Tischwein produziert.

Des Ligneris bietet drei Weine in traditionellen Bordeauxflaschen an - mit Phantasienamen: "L?air de rien" ("Als sei es nichts") für den Rotwein, "Lunes de miel" ("Flitterwochen") für den Weißwein und "Le vin des promesses" ("Der Wein der Versprechen") für den Rosé. Die Flaschen haben Kapselverschlüsse, die Etiketten eine ausgefallene Gestaltung.

Lesen Sie weiter auf Seite 2:Nur der Preis entspricht mit 8,50 Euro den Gepflogenheiten des Bordeaux.

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