Die schrägsten Diners, wie Lynn's Paradise Café oder der Old Time Liquor Store, der seine exzellente Bourbon-Auswahl gern am Drive-Through-Window verkauft, liegen etwas außerhalb der Stadtmitte. Im Deerpark-Distrikt sind die hübschesten Geschäfte und die besten Restaurants wie Lilly's oder das Bourbon Bistro, dessen 139 Bourbons schon mal zum ausgezeichneten Steak-Dinner serviert werden. Die Bars der Stadt reichen von elegant-südstaatlich (wie die wunderschönen des Brown Hotels und des Seelbachs, in der schon Al Capone seinen Bourbon nahm) über gemütlich-kühl (wie die Maker's Mark Lounge) bis hin zur modernistischen Tränke des Proof on Main.
Womit wir beim Thema wären. "Kentucky ist die wahre Heimat des Bourbons", erzählt Fred Noe, lebensfroher und freundlicher Nachfahre des legendären Jim Beam in der siebten Generation. In der Hand hält er ein Glas Booker's, den bevorzugten Schnaps seines Vaters. Und dann erzählt er weiter: Die illustre Geschichte des uramerikanischen Drinks beginnt bei den "moonshiners", den Schwarzbrennern, die seit Hunderten von Jahren das Korn in abenteuerlichen Destillen brannten (und am liebsten gleich selber soffen).
Dann kamen die Jahre der Prohibition, deren Aufhebung im November am "Repeal Day" auf den Straßen gefeiert und erlitten wird (ganz inoffiziell, versteht sich). Und schließlich reicht sie bis zu den Abermillionen Flaschen Bourbon, die heute aus Kentucky in alle Bars der Welt gehen. Leider leidet das goldbraune Destillat darunter, mit Unmengen von Eiswürfeln und zähnezersetzendem Zuckerwasser serviert zu werden.
Bourbon, guten Bourbon, müsse man schlürfen, im Mund zergehen lassen, legt Fred mit glänzenden Augen jedem ans Herz, der die amerikanische Seele verstehen will. Was die Disneyland-artigen "wine tastings" für Amerikas Weinwunderland Napa Valley sind, sind die "Bourbon Tours" für Kentucky. Zwischen Louisville und Bardstown, zwischen Clermont und Loretto sind heute ein gutes halbes Dutzend größerer Destillerien übrig geblieben und mehrere Dutzend kleinere.
Eine wahrhaft anstrengende Reise, aber eine durchaus lohnende! Die Heaven-Hill-Brennerei in Bardstown, Maker's Mark in Loretto, Four Roses und Wild Turkey in Lawrenceburg, Buffalo Trace im Franklin County und Jim Beam in Clermont institutionalisieren den "Bourbon Trail". Der setzt der Leber zwar heftig zu , ist aber auch irgendwie ziemlich genüsslich. Und führt so nebenbei durch die Wälder und Flusstäler von Kentucky. Warum aber Louisvilles Stadtväter den Ryder Cup und das jährliche Bourbon Festival, ein herrlich dekadentes und gänzlich öffentliches Besäufnis, aufs gleiche Wochenende gelegt haben, bleibt ein Rätsel. "Wie man am Kentucky Derby sehen kann", freut sich Karl Schmitt, "können wir mit großem Andrang gut umgehen."


