0 Bewertungen
24.08.2008 

Die schrägsten Diners, wie Lynn's Paradise Café oder der Old Time Liquor Store, der seine exzellente Bourbon-Auswahl gern am Drive-Through-Window verkauft, liegen etwas außerhalb der Stadtmitte. Im Deerpark-Distrikt sind die hübschesten Geschäfte und die besten Restaurants wie Lilly's oder das Bourbon Bistro, dessen 139 Bourbons schon mal zum ausgezeichneten Steak-Dinner serviert werden. Die Bars der Stadt reichen von elegant-südstaatlich (wie die wunderschönen des Brown Hotels und des Seelbachs, in der schon Al Capone seinen Bourbon nahm) über gemütlich-kühl (wie die Maker's Mark Lounge) bis hin zur modernistischen Tränke des Proof on Main.

Womit wir beim Thema wären. "Kentucky ist die wahre Heimat des Bourbons", erzählt Fred Noe, lebensfroher und freundlicher Nachfahre des legendären Jim Beam in der siebten Generation. In der Hand hält er ein Glas Booker's, den bevorzugten Schnaps seines Vaters. Und dann erzählt er weiter: Die illustre Geschichte des uramerikanischen Drinks beginnt bei den "moonshiners", den Schwarzbrennern, die seit Hunderten von Jahren das Korn in abenteuerlichen Destillen brannten (und am liebsten gleich selber soffen).

Dann kamen die Jahre der Prohibition, deren Aufhebung im November am "Repeal Day" auf den Straßen gefeiert und erlitten wird (ganz inoffiziell, versteht sich). Und schließlich reicht sie bis zu den Abermillionen Flaschen Bourbon, die heute aus Kentucky in alle Bars der Welt gehen. Leider leidet das goldbraune Destillat darunter, mit Unmengen von Eiswürfeln und zähnezersetzendem Zuckerwasser serviert zu werden.

Bourbon, guten Bourbon, müsse man schlürfen, im Mund zergehen lassen, legt Fred mit glänzenden Augen jedem ans Herz, der die amerikanische Seele verstehen will. Was die Disneyland-artigen "wine tastings" für Amerikas Weinwunderland Napa Valley sind, sind die "Bourbon Tours" für Kentucky. Zwischen Louisville und Bardstown, zwischen Clermont und Loretto sind heute ein gutes halbes Dutzend größerer Destillerien übrig geblieben und mehrere Dutzend kleinere.

Eine wahrhaft anstrengende Reise, aber eine durchaus lohnende! Die Heaven-Hill-Brennerei in Bardstown, Maker's Mark in Loretto, Four Roses und Wild Turkey in Lawrenceburg, Buffalo Trace im Franklin County und Jim Beam in Clermont institutionalisieren den "Bourbon Trail". Der setzt der Leber zwar heftig zu , ist aber auch irgendwie ziemlich genüsslich. Und führt so nebenbei durch die Wälder und Flusstäler von Kentucky. Warum aber Louisvilles Stadtväter den Ryder Cup und das jährliche Bourbon Festival, ein herrlich dekadentes und gänzlich öffentliches Besäufnis, aufs gleiche Wochenende gelegt haben, bleibt ein Rätsel. "Wie man am Kentucky Derby sehen kann", freut sich Karl Schmitt, "können wir mit großem Andrang gut umgehen."

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterHandelsblatt Specials

zurück
  • Chronik 2008: Das Jahr der Turbulenze...

    Chronik 2008: Das Jahr der Turbulenzen

    Bankenpleiten, Börsentalfahrt, Rezession: Kaum ein Jahr hat die Welt der Wirtschaft so durcheinander gewirbelt wie 2008. Im kommenden Jahr müssen sich Manager und Politiker neu beweisen. Handelsblatt.com blickt in den Tagen bis zum Jahreswechsel zurück auf eine Zeit vo...Special 

  • Türkei – ein Land zwischen Aufbruch u...

    Türkei – ein Land zwischen Aufbruch und Rückschritt

    Die Türkei sprüht vor Dynamik. Neben Istanbul bilden sich auch in Anatolien neue Wirtschaftszentren. Im Land entsteht ein Mittelstand. Das bietet auch Chancen für deutsche Unternehmer und Investoren. Zugleich gestaltet sich der Weg nach Europa schwierig: Die Türkei ste...Special 

  • Agenda IT-Fitness

    Agenda IT-Fitness

    Ob Waldarbeiter, Bäcker oder Arzt – ohne IT läuft im Beruf kaum noch etwas. Doch die Informationstechnologie wandelt sich permanent, und Unternehmen wie Arbeitnehmer müssen sich auf diesen Wandel einstellen. Wie das gehen kann, zeigt die Agenda „IT-Fitness“.Special 

vor

 

 

Bildergalerien

zurück
  • Rechte und Pflichten bei Eis und Schn...

    Rechte und Pflichten bei Eis und Schnee

    Starke Schneefälle, Glatteis und Dauerfrost haben in den vergangenen Tagen vielen den Weg zur Arbeit erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht.Handelsblatt.com erklärt, was Sie beachten sollten.Bildergalerie 

  • Neue Regeln für die Einreise in die U...

    Neue Regeln für die Einreise in die USA

    Ab dem 12. Januar müssen USA-Reisende ohne Visum vorab online einen Antrag beim US-Heimatschutzministerium stellen. Nur mit Genehmigung, die per E-Mail erteilt wird, darf der Geschäftsreisende oder Tourist dann ins Flugzeug steigen. Die letzte Entscheidung trifft aber ...Bildergalerie 

  • Schneechaos legt Deutschland lahm

    Schneechaos legt Deutschland lahm

    Bis zu 20 Zentimeter Schnee und Glatteis haben am Montag weite Teile Deutschlands lahmgelegt. Autobahnen mussten gesperrt werden, Busse und Bahnen wurden durch die Schneemassen behindert. Auf dem Düsseldorfer Flughafen ging nichts mehr. Bilder vom Chaos.Bildergalerie 

vor