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15.09.2006 
Analyse der US-Außenpolitik

Anspruch auf Weltordnung

von Dietmar Petersen

Der Historiker Klaus Schwabe, einer der besten Kenner der amerikanischen Außenpolitik, hat nun mit seinem Buch "Weltmacht und Weltordnung" eine fundierte Jahrhundertgeschichte der US-Außenpolitik vorgelegt.

KÖLN. Von allen amerikanischen Präsidenten dürfte George Walker Bush in der Alten Welt wohl der unpopulärste sein - historisch betrachtet. Seine aggressive Rhetorik, sein praktizierter Unilateralismus als Chef der einzigen Weltmacht, sein als lax empfundener Umgang mit dem Völkerrecht und seine Attitüde als CEO einer Hegemonialmacht - all dies hat sich der Weltöffentlichkeit als Klischee, gar als "Markenzeichen" des Herrschers im Weißen Haus eingeprägt.

Dabei steht Bush jr. mit einigen Grundzügen seiner Außenpolitik durchaus in klassischen Traditionen der amerikanischen Außenpolitik; mit anderen Traditionen hat er allerdings gebrochen.

Klaus Schwabe, einer der besten Kenner der amerikanischen Außenpolitik, hat nun mit seinem Buch "Weltmacht und Weltordnung" eine fundierte Jahrhundertgeschichte der US-Außenpolitik vorgelegt.

Der Professor (emeritus) für Neuere Geschichte an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen beschreibt eindrucksvoll den Aufstieg Amerikas, von der "New Nation" Ende des 19. Jahrhunderts zur (derzeit) unangefochtenen Weltmacht. Dieser Weg wurde und wird bis heute von wirkungsmächtigen Traditionslinien bestimmt. Sie gehen bis in die Kolonialzeit Amerikas zurück.

Fünf Traditionen, die sich zum Teil sogar widersprechen, arbeitet Schwabe heraus. Er entwickelt daraus einen "Traditionen-Set", den er als Analyseinstrument zur Beurteilung von mehr als einhundert Jahren amerikanischer Außenpolitik einsetzt. Diese, so das Urteil des renommierten Historikers, glich einem Zickzack-Kurs. Die Ausrichtung war abhängig vom Weltbild, dem sich der jeweilige Präsident verpflichtet fühlte.

Neben den historischen Traditionen arbeitet Schwabe auch den institutionellen Rahmen heraus: Amerikanische Präsidenten müssen ihre Außenpolitik viel stärker mit der Innenpolitik harmonisieren. Sie ist viel "demokratischer" legitimiert als etwa die der Alten Welt.

Von der Monroe-Doktrin, die lange die isolationistisch-hegemoniale Außenpolitik der USA bestimmte, über die neue Imperialmacht im spanisch-amerikanischen Krieg bis zum Aufstieg der Vereinigten Staaten zur Weltmacht im Zweiten Weltkrieg - Klaus Schwabe entfaltet ein facettenreiches Bild der US-Außenpolitik.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Lücke zwischen Freiheitspathos und Defizit an Glaubwürdigkeit

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