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23.11.2008 
Cologne Fine Art and Antiques

Aufbruchstimmung in Köln

von Susanne Schreiber

Mit der Cologne Fine Art and Antiques macht die Kölnmesse einen Neuanfang. Sie hat sich von dem ins Schlingern geratenen Mischling aus Westdeutscher Kunstmesse und der Messe für Editionen, Fotografie und aktueller Kunst verabschiedet. Der Überraschungscoup ist gelungen.

Cologne Fine Art: Mehr klassische Moderne, weniger Fotografien und Editionen. Foto: dpaLupe

Cologne Fine Art: Mehr klassische Moderne, weniger Fotografien und Editionen. Foto: dpa

KÖLN. Die Cologne Fine Art and Antiques (Cofaa) sieht klasse aus – nicht nur wegen der schönen Blumenarrangements. Sie spielt ihre Stärken in der Klassischen Moderne aus und weiß doch um ihre Schwächen bei den angewandten Künsten. Die Kölnmesse GmbH hat die Notbremse gezogen und sich von dem ins Schlingern geratenen Mischling aus Westdeutscher Kunstmesse und der Messe für Editionen, Fotografie und aktueller Kunst verabschiedet. Sie berief die branchenerfahrene Kunsthistorikerin Ulrike Berendson als Cofaa-Direktorin und trennte: Die Cofaa verkauft nur Kunst, die vor 1980 entstanden ist, die Art Cologne auch jüngere.

80 Händler hauptsächlich aus Deutschland bespielen die über den Südeingang gut erreichbare Halle 3.2. Es weht Aufbruchstimmung durch die hochwandigen, variantenreichen Standarchitekturen. An Wegkreuzungen und Gängen trifft die breit aufgestellte Klassische Moderne auf Alte Kunst, Teppiche oder Stammeskunst. Das tut gut und erlaubt neue Perspektiven. Bange ist den Verbandsvertretern wegen der Finanzkrise nicht, agieren die Aussteller doch in einem Bereich, der von gehypten Namen weit weg ist.

Salis & Vertes aus Salzburg und ab nächster Woche aus Zürich halten „Femmes des Iles“, ein extrem schmales, kontrastreiches Interieur von Max Pechstein bereit, das aus der Sammlung Walter Minnich stammt (980 000 Euro), und Max Ernsts rundliche „Maternité“ in Gelb (225 000 Euro). Klaus Schwarzer, Düsseldorf, kann mit einer musealen, großformatigen Farbzeichnung von Ernst Ludwig Kirchner auftrumpfen. Die „Frauen auf dem Sofa“, eine bekleidet, eine nackt, aus dem Jahr 1914, sollen 680 000 Euro kosten. Schwarzer flankiert die fulminante Zeichnung, die eigentlich ein Bild ist, mit Max Ernsts Porträt der Mme. Dyer und Paul Klees Gemälde „Rosa“. Eine herrliche, marktfrische, etwas kleinere Kirchner-Farbstift-Zeichnung, „Zwei sitzende Akte“ von 1909, hängt bei Thole Rotermund aus Hamburg für 380 000 Euro. Wer sich für Christian Rohlfs interessiert, muss bei Melsheimer, bei Utermann und Heuser vorbeischauen. Die Düsseldorferin Heuser erwartet für die heftig angespannte „Disputation“, 1933, 65 000, für den „Teufelstanz“ 48 000 Euro. Bei Utermann, Dortmund, ist Rohlfs’ „Schneeberg am See“ mit 110 000 Euro ausgepreist. Der Dortmunder Kunsthändler in der vierten Generation präsentiert ferner einen typischen späten Emil Schumacher, „Bergun“, von 1979, der zu langer Betrachtung verlockt (210 000 Euro) und zwei frühe Gemälde von Norbert Tadeusz, die ganz ohne Menschen auskommen: Sein Treppen-Interieur „Lila Eule“ von 1978 liegt bei 39 000 Euro.

Die Zeitgrenze 1980 überspielt Rainer Ludorff, Düsseldorf, keck, wenn er 15 kleinformatige Abstraktionen von Gerhard Richter (bis 2005) zu Preisen zwischen 79 000 und 375 000 Euro anbietet – im Einverständnis mit der Messeleitung. Schließlich ist Richter gerade in zwei Museen in Köln und Leverkusen ausgestellt – und auch eher Klassiker als aufstrebendes Talent. Eine ganze Wand allein mit Papierarbeiten von Wassily Kandinsky ist am Stand der Galerie Thomas, München, zu bestaunen: Blätter, die zwischen 1905 und 1939 entstanden sind. Faszinierende Hauptwerke der Kunstgeschichte liegen hier zwischen 295 000 und 1 250 000 Euro.

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