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01.02.2008 
Gutes Deutsch

Aussetzer, Glanzlichter und Prallkissen

von Kerstin Schneider

„Globalisierungsbesoffene Unternehmen“ nennt Wolfgang Schneider Firmen, die auf dem deutschen Markt Kunden mit englischen Reklamesprüchen umwerben. Mit seinem neuen Buch zieht das Urgestein der deutschen Sprachkritik dieses Mal in den Kampf gegen Blackout, Highlight und Airbag, derweil sein Mitstreiter Bastian Sick grotesk falsche Wortbildungen aufs Korn nimmt.

BERLIN. „Hat Deutsch eine Zukunft?" fragt Jutta Limbach in einer Neuerscheinung des C. H. Becks Verlags, die im Mai herauskommt. Wenn die noch bis Ende Februar amtierende Präsidentin des Goethe-Instituts solch hasenfüßige Frage stellt, muss es um die Sprachverrohung und Integrationskraft der deutschen Sprache doch viel schlechter bestellt sein, als gemeinhin angenommen wird.

Nimmt man allerdings die Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt als Gradmesser, lautet der Gegenbefund: So viel Sprachpflege war nie. Zu den sprachkritischen Aufsätzen der Sprachwissenschaftler gesellen sich Internetgemeinden und Sprachvereine. Gewettert wird gegen Pidgin-Deutsch, Grammatikfehler und Anglizismen, wobei häufig das Wirtschaftskauderwelsch aus eingedeutschten englischen Verben und englischen Fachbegriffen in die Mangel genommen wird.

Rührig sind Journalisten wie Bastian Sick, Axel Hacke und Wolf Schneider; jener schon ein Urgestein der deutschen Sprachkritik, der Generationen von Volontären ihre sprachlichen Fehlleistungen um die Ohren haute. Mit immer wieder verwertbaren Beispielen kurioser Sprachverdreher, die den Lesern in mehrfacher Ausführung als Kolumne und Buch sowie auf Lesereisen präsentiert werden, lässt sich zudem gutes Geld verdienen.

Zu Selbstläufern werden mittlerweile alle Bücher von Spiegel-Redakteur Bastian Sick, der sich mit seinen Sprachkolumnen eine lebendige Fangemeinde aufgebaut hat. Die Texte aus dem „Zwiebelfisch“ mündeten in die Buchreihe „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ und später in die größte Deutschstunde der Welt auf der LitCologne. Seine Bücher haben in der Auflage die Vier-Millionen-Grenze überschritten. In seinem neuen Bestseller „Happy Aua“ veröffentlicht er lustige Fotoeinsendungen seiner Leser.

Bis Ende April ist der Autor wieder auf Tour. Er sieht sich weder als Missionar noch als Sprachretter, sondern will vor allem unterhalten. In Tabellen und Listen sammelt der Sprachverwerter Sick die Sprüche der Imbissbudenbesitzer und Nagelstudio-Inhaberinnen; er dokumentiert und kommentiert grotesk falsche Wortbildungen, tut das jedoch augenzwinkernd und ohne Hohn. Jahr für Jahr wächst die Publikationsliste des prominenten Sprachretters: Im Februar erscheint ein neues Postkarten-Büchlein, das zum Verschicken verdrehter Sprichwörter einlädt.

Sick ist wie der Journalist Wolf Schneider zu einer Instanz geworden. Der kämpft in seinem gerade erschienenen Buch „Speak German. Warum Deutsch manchmal besser ist“ wortgewaltig gegen irrsinnige Anglizismen. Manager können aus Schneiders Buch lernen, dass englische Ausdrücke geschäftsschädigend sein können. Nicht umsonst sind viele Werbesprüche wie „Powered by Emotion“ von Sat 1 wieder vom Markt verschwunden.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Chef–Deutsch; Deutsch–Chef“

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