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01.02.2008 

„Globalisierungsbesoffene Unternehmen“ nennt Schneider die Firmen, die auf einem deutschen Markt Kunden mit englischen Reklamesprüchen umwerben. Es deute auf ein geringes Selbstbewusstsein hin, dass deutsche Manager anders als ihre französischen oder italienischen Kollegen generell das Englische dem Deutschen vorzögen. Schwer wiege der Gebrauch des Englischen auch in der deutschen Wissenschaftssprache, die in vielen Fächern nicht mehr weiterentwickelt werde. Dabei ist Wolf Schneider nicht generell gegen Anglizismen in der deutschen Sprache, die immer schon viele Wörter aus Fremdsprachen übernommen oder modifiziert hat. Was einverleibt werde, müsse jedoch treffender oder eleganter sein.

Viele Wortbeispiele sind alte Bekannte, die Schneider auch schon in früheren Publikationen verfluchte. Administration und Personal Computer gehören dazu, ebenso wie der City-Call der Telekom. Bei manchen Anglizismen kapituliert selbst Schneider: „Das Mountain-Bike lässt sich nicht mehr retten“. Doch für Blackout und Airbag könne man durchaus genaue Alternative finden, nämlich Aussetzer und Prallkissen. Ob das funktioniert? Wolf Schneiders Aktion „Lebendiges Deutsch“ bemüht sich seit zwei Jahren, deutsche Entsprechungen für englische Ausdrücke zu finden. Früher habe das auch geklappt, als die Deutschen Airlift in Luftbrücke oder Brainwashing in Gehirnwäsche übertrugen.

Manches klingt bemüht und kaum mehr durchsetzbar. Andere Vorschläge könnten gut übernommen werden. Gerade machte „Lebendiges Deutsch“ den Vorschlag, statt „Global Player“ einfach „Weltkonzern“ zu sagen. Und statt „Highlight“ das deutsche Wort „Glanzlicht“. Warum eigentlich nicht? Hinter Schneiders Buch steht der Wunsch, der Verzicht auf die Anglizismen könne mehr und mehr zur Bewegung werden.

Dass viele Menschen sich für Sprache und Kommunikation interessieren, dokumentieren auch die Sprachführer aus dem Langenscheidt Verlag. Mit Titeln wie „Politiker–Deutsch; Deutsch–Politiker“, die unter Mithilfe von prominenten Autoren wie Maybrit Illner verfasst werden, ist der Verlag in eine Marktnische vorgestoßen. Der erste Band war das Buch des Kabarettisten Mario Barth „Frau–Deutsch; Deutsch–Frau“, der 1,3 Millionen Mal verkauft wurde. Die Reihe greift alltägliche Kommunikationsprobleme auf und spielt unter dem Verdikt des „Du kannst mich nicht verstehen“ mit Klischees wie etwa dem unvereinbaren Sprachverhalten von Mann und Frau.

Mit 200 000 Exemplaren sehr erfolgreich ist auch der Band „Chef–Deutsch; Deutsch–Chef“ von Schauspieler Christoph Maria Herbst alias Bernd Stromberg. Der Arzt und Komiker Eckart von Hirschhausen hat nun „Arzt–Deutsch; Deutsch–Arzt“ beigesteuert. Wenn der Arzt behaupte: „Das müssen wir abklären“, meine er vielmehr: „Wozu habe ich mir sonst die teuren Apparate angeschafft?“ Die Auseinandersetzung mit Kommunikation und Sprache kann viel Spaß machen. Das lernt man jedenfalls eher bei Schneider & Co als im Deutschunterricht.


WOLFGANG SCHNEIDER:
Speak German! Warum Deutsch manchmal besser ist
Rowohlt Verlag, Reinbek 2008
192 Seiten, 14,90 Euro

BASTIAN SICK:
Happy Aua. Ein Bilderbuch aus dem Irrgarten der deutschen Sprache
Kiepenheuer & Witsch, Köln 2007
128 Seiten, 9,95 Euro

ECKART VON HIRSCHHAUSEN:
Arzt–Deutsch; Deutsch–Arzt
Langenscheidt Verlag, Berlin und München 2007
128 Seiten, 9,95 Euro

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