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22.08.2008 
Ostdeutsche Künstler

Ausweitung der Marktzone

von Paul Kaiser

Die Qualität ostdeutscher Maler steht außer Frage, doch ihre Galerien müssen noch immer Pionierarbeit leisten. Obwohl junge Maler, ausgebildet an den Akademien in Dresden und Leipzig, in den letzten Jahren zu Top-Stars des Kunstmarktes aufgestiegen sind, spielen ihre Lehrer kaum eine Rolle. Begründet wird dies mit der mangelnden internationalen Präsenz ostdeutscher Künstler.

"Maler und Model" von Arno Rink. Sein Schüler Neo Rauch versetzt derzeit den internationalen Kunstmarkt in Aufruhr. Foto: APLupe

"Maler und Model" von Arno Rink. Sein Schüler Neo Rauch versetzt derzeit den internationalen Kunstmarkt in Aufruhr. Foto: AP

DRESDEN. Es erscheint paradox - Neo Rauch, Matthias Weischer oder Eberhard Havekost, profund ausgebildet bei Arno Rink und Sighard Gille in Leipzig und bei Ralf Kerbach in Dresden, eilen von Großausstellung zu Auktionsrekord. Doch wer hat und will die Bilder der älteren ostdeutschen Maler?

Rote Teppiche legt man Galerien, die ostdeutsche Künstler im Altersspektrum der Jahrgänge von 1925 bis 1955 vertreten, bis heute nicht aus. Als Argument wird dabei oft deren fehlende internationale Präsenz in Anschlag gebracht. "Internationalität geht oftmals vor Qualität", schätzt Rüdiger Küttner, Mitinhaber der in prominenter Hauptstadtlage residierenden Galerie Berlin die Lage ein. Dennoch konstatiert Küttner eine "merkliche Entspannung" für die einst pauschal als "Ostkunst" deklarierte Ware. Zum einen deshalb, weil die Markterfolge der jüngeren Maler aus dem Osten nun auch deren Lehrergeneration, sozusagen im Huckepackverfahren, zu Publicity und verstärkter Nachfrage verhelfen. Zum anderen seien auch die Grabenkämpfe zwischen West und Ost, Staatskünstlern und Dissidenten, Ausgebürgerten und Dagebliebenen mittlerweile passé.

Lange hatte Küttner, einst Co-Chef des umstrittenen Staatlichen Kunsthandels der DDR, wegen seiner Vergangenheit mit moralischen Ressentiments zu kämpfen. Inzwischen hat er die meisten Kritiker durch Kontinuität, Understatement und einen soliden Marktauftritt überzeugt.

Die Galerie Berlin zählt derzeit - neben der, in den letzten Jahren vor allem mit Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer stark auftrumpfenden Galerie Schwind - zur ersten Adresse für ostdeutsche Künstler; vor allem für Maler und Bildhauer aus dem Umfeld der Leipziger und Berliner Schule. Seine Galerie vertritt exklusiv Bernhard Heisig (Preise bis 250 000 Euro) sowie unter anderen Hartwig Ebersbach (10 000 bis 18 000 Euro), Joachim Böttcher (5 000 bis 15 000 Euro) oder Lutz Friedel (3 000 bis 10 000 Euro).

Trotz dieser Lichtblicke stellt die mangelnde Repräsentanz auf den internationalen Kunstmessen weiterhin das Hauptproblem beim Marktzugang ostdeutscher Künstler dar. Auf den Großevents kommen ältere ostdeutsche Maler kaum mehr vor. Nachdem die Galerie Brusberg, lange Zeit das Flaggschiff dieses Segments im Kunsthandel, ihr Engagement im April aus Altersgründen beendete, wird sich dieser Trend eher noch verschärfen. Zwar bedient Brusberg, der seinen Sitz aus der Beletage am Berliner Kurfürstendamm in das Hinterhaus verlegte, weiterhin Kunden aus seinem erstklassigen Fundus an ostdeutschen Meistern - auf der Art Basel wird künftig die von ihm jahrzehntelang promotete Kunst von Heisig, Tübke und Co., wie auch der ihrer Schüler, Nachfolger und Gegenspieler, vorerst aber keine Rolle mehr spielen.

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