Angesichts des Bedeutungszuwachses der Kunstmessen für Prestige, Umsätze und Künstlerstatus wiegt diese fatale Entwicklung doppelt schwer. Zumal auch die großen Auktionshäuser, angesichts niedriger Preise und unsicherer Bewertungsverhältnisse, nur zaghaft ostdeutsche Künstler der Generation 50plus unter den Hammer nehmen. Was freilich auch Lücken bietet, die etwa das 1995 gegründete Kunstauktionshaus Irene Lehr mit erfolgreichen Versteigerungen und engagierten Ausstellungen zu nutzen sucht - jüngst mit dem veritablen Zeichner Max Schwimmer, der Chemnitzer Künstlergruppe "Clara Mosch" oder dem Dresdener Maler Max Uhlig.
Jedenfalls ist in dieser Situation unprätentiöse Pionierarbeit gefragt. Hedwig Döbele, seit 1995 Inhaberin der 1976 in Ravensburg gegründeten, später in Stuttgart und schließlich in Dresden residierenden Galerie Döbele, fühlt sich dabei an die Herausforderungen ihrer ersten Jahre als Galeristin erinnert.
Im Kontrast zu dem renommierte Staatskünstler promotenden deutsch-deutschen Kunsthandel machte sich die gewitzte Schwäbin mit Verve und Lebensmut vor allem für die stillen, an den Rand gedrängten Maler aus der DDR stark, die ihre souveränen Wege jenseits von Realismusdoktrin und Karrierezwängen beschritten. Ihr Zentrum machte sie im Dresdener Elbtal aus, wo eine in sich verwobene Künstlerszene - von Helmut Schmidt-Kirstein und Hermann Glöckner bis hin zu Max Uhlig und Eberhard Göschel - eine der Moderne verpflichtete Gegengeschichte zur offiziellen DDR-Kunst schrieb. Bei Döbele sind Werke der genannten Künstler unter der Preisgrenze von 20 000 Euro zu haben.
Angesichts gravierender Kunstmarkt-Umbrüche kann sich auch Hedwig Döbele keine Illusionen leisten. Anders als die auf den Events in Basel, Miami Beach oder Dubai vertretenen Kollegen muss sie ihre Sammler durch ein illustres Ausstellungsprogramm sowie durch stete Kaufanreize zur Reise nach Dresden bewegen - demnächst mit einer ehrgeizigen Albert Wigand-Ausstellung. Wigand ist ein moderner Klassiker, von dem fast nichts mehr auf den Markt kommt.
Ihre Präsenz vor Ort wurzelt aber ebenso in einer regionalen Komponente, da sich in der wirtschaftlich wieder erstarkenden Elbestadt neue Sammlerschichten etablieren: "Menschen, die sich in der DDR-Zeit keine Kunst leisten konnten", so Hedwig Döbele, "für die jene von uns vertretenen Maler aber eine künstlerische und moralische Wegweisung sind."


