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19.03.2007 
Hörbuchmarkt

Branchenprimus mit Schönheitsfehlern

Die Hörbücher machen der Buchbranche viel Freude. Mit keinem anderen Produkt erzielten die Verlage im letzten Jahr ähnlich hohe Umsatzzuwächse. Auf der Buchmesse in Leipzig stehen sie im Fokus. Doch zunehmender Wettbewerb setzt die Produzenten unter Druck.

Der Umsatz mit Hörbüchern im Jahr 2006 lag bei geschätzten 120 bis 180 Millionen Euro. Foto: dpaLupe

Der Umsatz mit Hörbüchern im Jahr 2006 lag bei geschätzten 120 bis 180 Millionen Euro. Foto: dpa

nh/HB LEIPZIG. "Die Umsatz-Zuwächse sind nicht mehr so exorbitant wie in vergangenen Jahren", sagt Simone Mühlhauser, Referentin beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels. "Es gibt immer mehr Verlage und immer mehr Titel." 500 Hörbuchverlage mit insgesamt rund 16 000 Titeln buhlen zurzeit um Käufer. Wieviel Umsatz die Verlage damit genau erzielen, kann nur geschätzt werden. 120 bis 180 Millionen Euro sollen es sein, exakte Zahlen gibt es nicht. Nach Angaben von Media Control GfK International lag der Anteil der Audiobooks am Buchmarkt im Jahr 2006 bei rund vier Prozent. Der Umsatz stieg um etwa 17 Prozent. Erfasst werden dabei jedoch nur die herkömmlichen Absatzwege wie Buchhandel und Internet, nicht aber Nebenmärkte wie Tankstellen, Discounter oder Direktverkäufe von Verlagen. "Bis 2010 rechnen Experten mit einer Umsatzverdopplung auf etwa 300 Millionen Euro", heißt es beim Hörverlag aus München, dem umsatzstärksten Hörbuchverlag.

Auf der Leipziger Buchmesse gehören Hörspiele, Lesungen und O-Ton-Reportagen schon zum achten Mal zu den Schwerpunkten. "Leipzig hat sich als der wichtigste Standort für das deutschsprachige Hörbuch fest etabliert", sagt Buchmesse-Direktor Oliver Zille. Unter dem Motto "Leipzig hört" stellen dieses Mal 120 Hörbuchverlage sowie alle ARD-Anstalten ihre Neuproduktionen vor. Dabei treten Schauspieler wie Rufus Beck, Dieter Mann, Christian Brückner, Corinna Kirchhoff oder Sandra Hüller ans Mikrofon. Beim Nachwuchswettbewerb "Leipziger Hörspielsommer" werden die Newcomer der Szene gekürt.

"Der Kampf auf dem Markt ist enorm", sagt Barbara Widmann vom Patmos Verlag aus Düsseldorf. Viele Verlage, die bisher Lizenzen verkauften, haben eigene Labels gegründet - wie der Schweizer Diogenes Verlag. Dabei sind die Zuwachsraten vorzeigbar. "Der Hörbuchmarkt wächst weiter zweistellig, wir sind das einzige wachsende Segment auf dem Buchmarkt überhaupt", sagt die Geschäftsführerin des Hörverlags, Claudia Baumhöver. Die Bertelsmann-Tochter Random House Audio, der Verlag mit dem zweitgrößten Hörbuch-Umsatz, hat mit einer Umsatzsteigerung um rund ein Drittel den größten Zuwachs erzielt. Spezielle Hörbuchreihen, etwa eine "Brigitte"-Edition, mit vergleichsweise niedrigen Preisen, waren dabei hilfreich. Random House Audio nutzt außerdem eine Vielzahl von Vertriebswegen. So standen etwa der Bertelsmann Club und Weltbild als Absatzkanäle zur Verfügung.

In der gesamten Branche nimmt die Bedeutung neuer Vertriebswege zu. Mit der Verbreitung schneller Internetzugänge können Hörbücher problemlos aus dem Internet heruntergeladen werden. Ein Portal für solche Downloads betreibt Audible. Das Unternehmen verdreifachte den Umsatz mit Hörbuch-Downloads im vergangenen Jahr.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Kampf gegen illegale Downloads

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