Gelernt hat Dornscheidt dieses nur vermeintlich altertümliche Gebaren von einem seiner Vorgänger auf dem Chefsessel: dem unvergessenen Urgestein des deutschen Messewesens, Kurt Schoop: „,Jung, dat musst ’e mit der Hand machen’, hat er zu mir gesagt.“ Oder von Kurt Biedenkopf und Johannes Rau. Von beiden hat Dornscheidt schön geschriebene Zeugnisse ihrer Schrift- und Formulierungskunst. „Alles Gute für Düsseldorf“, fügte zum Beispiel Landesvater Rau einem Schreiben handschriftlich hinzu.
„Ich habe vielleicht keine schöne Schrift, aber eine eigene“, sagt Dornscheidt. Der gebürtige Düsseldorfer, gerade 54 Jahre alt geworden, hat seine ersten Buchstaben noch quietschend mit dem Griffel auf eine Schiefertafel gekratzt. Er gehört zu den Jahrgängen, die mit der sogenannten Ganzheitsmethode drangsaliert wurden, also direkt ganze Wörter schreiben mussten. Das hat sich bekanntlich nicht bewährt. Schwamm drüber. Später schrieb der kleine Werner mit dem Bleistift, „weil man da radieren konnte“. Dann kam der Pelikan-Schulfüller, mit dem Generationen von Grundschülern linierte und karierte Hefte vollklecksten.
Die Pennäler waren angehalten, gestochen scharf zu schreiben. „Wir haben dann immer getrickst, um ein möglichst lässiges Schriftbild hinzubekommen. Und dann geschah etwas Seltsames, erinnert sich Dornscheidt, „plötzlich ähnelte meine Unterschrift der meines Vaters.“ Und die hatte Gewicht damals in Düsseldorf. Vater Hermann Dornscheidt arbeitete 40 Jahre für die Stadt, zuletzt als deren Direktor.
Von ihm, da ist sich Sohn Werner sicher, hat er die rheinische Frohnatur geerbt. Mit einer großräumigen Handbewegung wischt Dornscheidt Füllfederhalter und Bleistifte vom Schreibtisch und verstaut sie in der Schublade. „Die liegen nicht immer hier rum, das wäre ja bestusst.“ (rheinisch für blöd).
Seine Art hat ihm sicher oft weitergeholfen, wenn es um Verhandlungen bis zur Unterschriftsreife ging, sei es in seiner Zeit als Chef der Leipziger Messe nach der Wende oder bei Verhandlungen mit Messetöchtern in Asien, die viel Fingerspitzengefühl erfordern. Der Düsseldorfer Messechef begann einst seine Karriere als Lehrling beim rheinischen Traditions-Caterer Stockheim. Hotelkaufmann wollte er werden, hat dann aber doch noch sein Abi gebaut und studiert. Dass sein Sohn bei einer Stadttochter arbeitete, wollte Dornscheidts Vater anfangs nicht. „Mein Bruder hat in Duisburg angefangen, meine Schwester ging nach Köln.“ Doch die Messe wollte den Junior, „nicht als Sohn, sondern weil er was kann, haben die gesagt“. Der Junior hatte schon als Student auf dem Messegelände gejobbt.
Dornscheidt begann als Referent im Zentralbereich Auslandsmessen. „Das war übrigens das einzige Mal in meinem Leben, dass ich mich mit einem handschriftlichen Lebenslauf beworben habe. Und das auch nur der Form halber. Ich war schon eingestellt und habe den nur nachgereicht“.
Gut verdient für damalige Verhältnisse hatte er allerdings schon früher, als Trompeter Backstage im Opernhaus: „Da gab es 85 Mark auf die Hand, man brauchte erst zum Einsatz da zu sein und konnte danach gleich wieder gehen, eine tolle Sache.“
Lesen Sie weiter auf Seite 3: Dornscheidts Passion reicht bis ins Private

