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23.07.2005 
Wer liest was

Claude Schmit liest Harry Potter

Claude Schmit iste Geschäftsführer des Kinder - und Familiensenders Super RTL. Seine Kinder und er haben "Harry Potter and the Half-Blood Prince" mit großem Vergnügen gelesen.

Claude Schmit hat den neuesten Harry Potter gelesen.Lupe

Claude Schmit hat den neuesten Harry Potter gelesen.

Samstag am Lago Maggiore. Mit sechs Kindern zwischen sieben und 15 Jahren im Schlepptau mache ich mich auf den Weg in die Buchhandlung, um Harry Potter Band VI in sechsfacher Ausführung zu kaufen. Fehlanzeige. "Harry Potter and the Half-Blood Prince" gibt es- zumindest noch - nicht. Zehn Millionen verkaufte Exemplare am ersten Tag, wo auch immer auf der Welt, wohl nur nicht im Tessin . . . Dort mussten wir bis Montag warten. Doch das Warten hat sich gelohnt: Meine Kinder und ich haben das Buch mit großem Vergnügen gelesen.

Harry ist 16 Jahre alt, wird langsam erwachsen. Dem Alter der Protagonisten entsprechend, gibt es im "Halbblut-Prinzen" vermehrt amouröse Anwandlungen, doch lenken diese nicht vom zentralen Handlungsstrang ab: dem Kampf gegen das Böse, gegen Lord Voldemort und Vasallen. Der Kampf nimmt an Dramatik zu und entwickelt sich zum regelrechten Krieg, der bis in die Welt der Menschen hinein Wirkung zeigt. Ohnehin verwischt die Grenze zwischen uns Muggeln und der Zaubererwelt zunehmend.

Der ein oder andere Leser wird beklagen, dass lieb gewonnenen Motiven wie dem Quidditch-Spiel zu wenig Aufmerksamkeit zuteil wird, doch bietet auch "Harry Potter and the Half-Blood Prince" auf jeder Seite Vertrautes. Fast unmerklich ist der Zauberkosmos größer, komplexer, erwachsener geworden. "Harry Potter and the Half-Blood Prince" ist immer noch ein junges Buch, doch die einst heile Zauberwelt hat Risse bekommen. Das kann man als notwendige Evolution begreifen, und doch werden viele Leser die heile Welt vermissen, in die sie mit Rowlings Hilfe einzutauchen versuchen.

Gegen Ende des Buches werden die Schilderungen drastischer, in Verbindung mit der unheimlichen Grundstimmung teilweise zu brutal für Jüngere. Der Tod hält Einzug in Harrys Zauberwelt. Er wird plastischer geschildert als in den Bänden zuvor - nichts für meinen siebenjährigen Sohn. Scheitert er mangels Sprachkenntnissen bislang sowieso an der englischen Ausgabe, werde ich ihm auch die Lektüre in Deutsch, die im Oktober erscheinen soll, aufheben - für später.

JOANNE K. ROWLING: Harry Potter and the Half-Blood Prince Bloomsbury 2005, 600 Seiten, 15,90 Euro

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