Sie sind mit ihrem Unternehmen der Tele-München-Gruppe seit mehreren Jahrzehnten in Cannes präsent. Hat aus ihrer Sicht der deutsche Film an Ansehen gewonnen?
Eines ist klar: Der internationale Filmmarkt wird von den Amerikanern dominiert. Der deutschsprachige Markt spielt eine Nischenrolle. Doch die Nische für die Deutschen wird zusehends größer und wichtiger.
Ist auch der Qualitätsstandard der deutschen Produktionen gestiegen?
Das deutsche Produkt ist deutlich professioneller geworden. Deutsche Filme sind auch in benachbarten Märkten viel leichter vermarktbar, zum Beispiel in Zentral- und Osteuropa. Dort haben sich Serien wie beispielsweise „Rex“ auch amerikanische Serien aus dem Programm gedrängt.
Zuletzt sind viele neue Serien aus deutscher Herstellung allerdings durchgefallen oder?
Die deutsche Serie ist in der Krise. Zudem sind die hiesigen Serien wie das hochqualitative Actionformat „Alarm für Cobra 11“ bei RTL sehr teuer und machen beispielsweise in der Hauptsendezeit gerade mal 17 Prozent Marktanteil. Während amerikanische Serien wie „Dr. House“ bei RTL einen Marktanteil von 30 Prozent. Eine Episode von „Cobra 11“ kostet über eine Million Euro und eine der populären Hollywood-Serie „Dr. House“ kostet hingegen 80 000 Dollar.
Die opulenten deutschen Mehrteiler sind meist Publikumserfolge in Deutschland. Verkaufen Sie sich auch wie geschnitten Brot im Ausland?
Die internationale Verwertbarkeit bei deutschen Miniserien ist groß. Genau deshalb machen wir für 14 Millionen Euro die Neuverfilmung des „Seewolf“, dem Roman von Jack London. Wenn der Sender den Film richtig unterstützt, sind Miniserien ein berechenbar wirtschaftlicher Erfolg.
Herr Kloiber, sie fahren seit langem nach Cannes. Was macht die Film- und Fernsehmesse Mip-TV so interessant für die Branche?
Es ist eine riesige Kontaktbörse.
... die vor allem die Deutschen lieben oder?
Das hat mit unserer geographischen Situation zu tun. In Frankreich oder Großbritannien setzt eben die gesamte Branche in Paris oder London, also an einem Ort. Das ist im föderalen Deutschland ganz anders. Der Münchener trifft nun mal gerne seine Kunden aus Hamburg, Berlin oder Köln in Cannes. Hier sind dann alle versammelt. Das spart viele Wege. Ich bin deshalb bereits im 38. Jahr in Cannes.
Werden an der Croisette tatsächlich noch die großen Deals gemacht oder ist das längst passé?
In Cannes wird viel präsentiert, was vorher bereits im Ofen gebacken wurde. Dadurch erscheint Cannes manchmal geschäftiger als es tatsächlich ist.

