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02.04.2008 
Jagdflieger-Ass Manfred von Richthofen

Der Baron in der fliegenden Kiste

von Florian Schnürer

Sein Tod machte Manfred von Richthofen, mit 80 Luftsiegen erfolgreichster Jagdflieger des Ersten Weltkrieges, endgültig zu einer Legende. Seither beflügelt er die Fantasie von Autoren und Filmemachern. In dieser Woche startet im Kino der erste deutsche Spielfilm über das Fliegerass. Historikern gibt „Rote Baron“ immer noch Rätsel auf.

Matthias Schweighöfer als Jagdflieger Manfred von Richthofen. Foto: dpaLupe

Matthias Schweighöfer als Jagdflieger Manfred von Richthofen. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Zu der Legende trug bei, dass die Umstände seines Todes von 1918 bis heute diskutiert werden. Joachim Castan („Der Rote Baron. Die ganze Geschichte des Manfred von Richthofen“, Stuttgart 2007) ist beiden Versionen nachgegangen. Zum einen der, die auch im Film reproduziert wird: Der kanadische Flieger Roy Brown habe Richthofen abgeschossen, während dieser ein englisches Flugzeug bis weit hinter die feindlichen Linien verfolgte. Tatsächlich wurde Brown der Abschuss von seinen Vorgesetzten zuerkannt. Die andere Version lautet, dass Richthofen bei der Verfolgung des feindlichen Fliegers an Höhe verloren habe und von australischen Maschinengewehren am Boden getroffen wurde. Wie William E. Burrows, ein anderer Biograf Richthofens, neigt Castan eher der Version des Abschusses vom Boden aus zu.

Ein Tod im „Luftkampf mit einem würdigen Gegner“ sei ihm eher zu wünschen gewesen, schrieb die „Washington Post“ am 23. April 1918 über das Ende Manfred von Richthofens, des erfolgreichsten Jagdfliegers des Ersten Weltkrieges. Ausgerechnet er, der 80 Luftsiege errungen hatte, schnöde vom Boden aus abgeschossen! Dass diese wahrscheinlichere Version in allen Filmen – auch dem aktuellen – ignoriert wird, zeigt, dass man ihm auch heute noch den „ehrenhafteren“ Fliegertod wünscht.

Unstrittig ist, dass Richthofen von seinen Gegnern auf dem Friedhof von Fricourt mit allen militärischen Ehren bestattet wurde. So berichtete die „Deutsche Kriegszeitung“ von der Zeremonie als „einer imposanten Feier“. Der Flieger sei in einen schwarzen Holzsarg gebettet worden, getragen von sechs Fliegeroffizieren. Dem Leichenzug folgten französische und amerikanische Flieger, und als der Sarg in die Erde gesenkt wurde, feuerte man drei Ehrensalven ab. Während der Zeremonie überflogen mehrere Flugzeuge als Ehrenformation das Grab. Die „New York Times“ schrieb, dass selbst der berühmteste alliierte Pilot keine würdigere Bestattung hätte bekommen können. In der „Times“ wurde Richthofen in einem Nachruf als „großartiger Pilot und Kämpfer“ bezeichnet. Die „Frankfurter Zeitung“ vertraute auch nach dem Tod des Helden darauf, „dass die riesigsten Zahlen der Feinde ohnmächtig zerschellen werden an den Leistungen, an der Hingabe, an der unermüdlichen Kühnheit unserer deutschen Menschen!“

Wer aber war dieser Manfred von Richthofen wirklich, dessen Tod einen so breiten Widerhall fand, während gleichzeitig Tausende andere Soldaten sang- und klanglos fielen? Der 1892 geborene Richthofen entstammte einem bekannten schlesischen Adelsgeschlecht. Dem Vorbild seines Vaters folgend, war Manfred zunächst Kavallerie-Offizier. Anfang 1915 beantragte er seine Versetzung zur jungen Fliegertruppe. In seinem Buch „Der rote Kampfflieger“ von 1917 berichtet er: „Nun schrieb ich ein Gesuch an meinen Kommandierenden General, und böse Zungen behaupten, ich hätte gesagt: ‚Liebe Exzellenz, ich bin nicht in den Krieg gezogen, um Käse und Eier zu sammeln, sondern zu einem andern Zweck.“ Zunächst als fliegender Beobachter an der Ostfront, wurde er im Sommer 1915 in den Westen versetzt, wo er erst in einem Bombergeschwader diente, bevor er Jagdflieger wurde und im September 1916 den ersten Gegner abschoss.

Im Frühjahr 1917 begann dann der rasante Aufstieg, Richthofen erhielt die höchste Tapferkeitsauszeichnung „Pour le Mérite“, wurde Staffel-Führer und im Juni Chef eines aus vier Staffeln bestehenden Geschwaders. Im Juli 1917 erlitt er einen Kopfschuss. Trotz bohrender Schmerzen flog er nach drei Wochen wieder. Der junge Rittmeister galt als bescheidener, fast schüchterner Mann. Die Zeitungen interviewten und fotografierten ihn gerne, machten aus ihm das „Ass der Fliegerasse“. Zum „Roten Baron“ aber machte ihn die Auslandspresse aufgrund der selbst gewählten Farbe seines Flugzeuges.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Luftkampf als ritterliches Duell

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