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24.09.2008 
Gedanken über das Geld

Der Gott des Kapitalismus

von Ferdinand Knauß

Beim "Philosophicum" in Lech ergründen Geisteswissenschaftler, was die Welt im Innersten zusammenhält: Geld. Friedensstifter, Religionsersatz oder globale Illusion - was Geld wirklich ist, lässt sich gar nicht so einfach definieren.

Ist Geld wirklich der Stoff, der die Welt zusammenhält? Foto: dpaLupe

Ist Geld wirklich der Stoff, der die Welt zusammenhält? Foto: dpa

LECH. Philosophen, die über Geld sprechen, könnte man ähnlich verhöhnen wie katholische Priester, die über Sex sprechen. Sollte man aber nicht. Dass das Geld bei Geisteswissenschaftlern gut aufgehoben ist, bewies das diesjährige "Philosophicum", eine Tagung, die mit wechselndem Thema jeden September im österreichischen Wintersportort Lech am Arlberg stattfindet.

Wenn man ein Fazit aus den zum größten Teil hervorragenden Vorträgen destillieren wollte, dann wäre es der Satz: "Im Geld ist jede Menge Geist und Religion verborgen." Das machte zu Beginn schon der Wiener Philosoph und Tagungsleiter Konrad Paul Liessmann mit seinem Hinweis auf die Etymologie klar: "Geld" kommt vom althochdeutschen "gelt", das eine religiöse Opfergabe bezeichnete und von dem auch "gelten" und "Geltung" abstammt. Passenderweise fand die Tagung in einer Kirche statt.

Keine Frage, das Phänomen Geld ist dem Vorurteil zum Trotz keineswegs der Inbegriff des Materiellen. Geld ist eine Abstraktion - in Liessmanns Worten "das reine Gelten" - und zu dieser ist Geist notwendig. Georg Simmel (1858-1918) schrieb in seiner "Philosophie des Geldes" sogar von einer "steigenden Vergeistigung des Geldes". Zu Simmels Zeiten stand hinter dem Geld noch das Gold, doch seit der Auflösung dieser Bindung ist das Geld vom Glauben seiner Benutzer abhängig. Geld muss kreditwürdig sein ("Kredit" kommt vom lateinischen "credere"=glauben).

Doch ist es aufgrund dieser Eigenschaft nur eine "globale Illusion", da man es nicht "auf ein sicheres Fundament zurückführen" könne wie Karl-Heinz Brodbeck, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Würzburg, verkündete? Seine Argumente: Der ökonomischen Theorie ist es nicht gelungen, Geld befriedigend zu erklären (nicht einmal seine Entstehung); alle Versuche, die Geldmenge quantitativ zu erfassen, scheitern, wie sogar Alan Greenspan zugibt. Real werde die Herrschaft des "Geldgottes" erst dadurch, dass die Menschen sich ihr unterwerfen - so wie der Herrscher erst durch die bewusste Unterwerfung der anderen zum Herrscher wird. Illusionen seien nur so lange mächtig, wie sie als solche nicht entlarvt würden. Wenn Kollektive die Unterwerfung aufkündigen, löst sich die Herrschaft auf (geschehen zum Beispiel 1989 in der DDR). Brodbeck ist Buddhist (und Verfasser einer "Buddhistischen Wirtschaftsethik"), als solcher hält er vermutlich ohnehin nicht nur das Geld für ein großes Nichts.

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