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26.01.2008 
Mode

Die 7 Hüte von Schneewittchen

von Kerstin Schneider

Berlins Modeszene hat den Anspruch internationaler zu werden. Bislang trägt die Prominenz allerdings nur Kopfschmuck aus der Hauptstadt. Genauer gesagt trägt sie Kopfschmuck der Modistin Fiona Bennett. Die gebürtige Britin hat sich längst einen Namen in der Modewelt gemacht und verkauft ihre Hüte auch an internationale Stars.

Die Frage treibt alle paar Monate wieder alle um: Ist Berlin denn nun auf dem Weg, eine internationale Modemetropole zu werden? Oder ist die Hauptstadt bestenfalls ein Ort, an dem sich ein paar Schauspieler in Drehpausen mit skurrilen Mitbringseln ausstatten. Brad Pitt jedenfalls schwört auf sein Modell "Malcom". Die Schiebermütze aus Fiona Bennetts neuer Herrenkollektion ist zwar klassisch unauffällig, aber gerade das schützt vor Paparazzi-Attacken und ungebetenen Verehrerinnen. Mit seiner Mützenliebe hat der Hollywood-Star eine wahre Hut-Manie ausgelöst, die Männer so zahlreich in den Salon der erfolgreichen Berliner Modedesignerin und Modistin lockt, dass zeitweise sogar das Kerngeschäft, Frauen mit Kopfschmuck zu verschönern, in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Bei den 40 Stücken ihrer Männerlinie "Gentle Man", die sie zu diesem Winter erstmals vorstellte, setzt die Modistin auf die klassische englische Hut-Mode. "Männer möchten ihren Hut regelmäßig tragen, Frauen spielen eher mit Accessoires", erklärt die 41-Jährige, die nie unbehütet aus dem Haus geht. Die gebürtige Engländerin, schneewittchenhaft hübsch mit blasser Haut und rotem Mund, ist selbst dem Berlin-Mix zugetan und kombiniert Designermode mit Vintagekleidern aus dem Secondhand-Laden.

Prominente Hutbotschafter gibt es mittlerweile genug. Claudia Schiffer zeigt sich auf Karl-Lagerfeld-Fotos mit Bennett-Hüten als verruchte Femme fatale; Sängerin Christina Aquilera, Schauspielerin Christiane Paul und Mia von der Band Mieze gehen abends mit ihren Sternenkappen aus dem Haus. Unlängst meldeten die Berliner Gazetten, dass Tom Cruises Ehefrau Katie Holmes an einem einzigen Mittwochnachmittag Bennetts halbe Frauenkollektion aufgekauft habe.

Das weckt Begehrlichkeiten, und so wird Fiona Bennett zur Berlin Fashion Week, die am 27. Januar beginnt, wieder Besuch von Trendscouts bekommen, die diskret Fotos von ihren Modellen schießen. Die Modifikationen ihrer Entwürfe wird sie dann in späteren Kollektionen wiederfinden.

Viel Lob kommt von den Kollegen: Ex-Adidas -Designer Michael Michalski hat den Bennett'schen Kopfputz in seine Schauen eingebaut, und Wolfgang Joop säuselt: "Fionas Hutkreationen sind wie scharf geschnittene Tortenstücke." Hinter all der Lust an der Inszenierung wird aber auch eine andere Fiona Bennett sichtbar, die Jugendwahn ebenso hasst wie Schnelllebigkeit. Diese Haltung macht sie in der trendbewussten Modebranche zu einer Schwimmerin gegen den Strom. Fiona Bennett sieht sich als Pionierin dem Ideal einer behüteten Gesellschaft verpflichtet, die das Spiel mit Identitäten zwar liebt, aber bitte schön jenseits von Freizeitlook und Baseballkappen auch einen wirklichen Stil pflegen sollte. Eine Kollektion aus sieben Hüten brauche der Mensch, die er nach Lust und Laune aufsetzen könne.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Das ist der Berliner Glamour"

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