Die antiken Griechen, so schreibt der Althistoriker Christian Meier, kannten keinen Fortschritt. Die Athener der klassischen Epoche besaßen wohl ein „Könnens-Bewusstsein“, aber der Gedanke, durch den Zugewinn des eigenen Könnens die Menschheit zum Besseren zu wandeln, kam ihnen nicht in den Sinn.
Für die Griechen, so Meier, war Politik ein „Lebenselement, nicht Mittel zu unpolitischen Zwecken“. „Dem Ausbau der materiellen Welt galt vergleichsweise wenig Mühe.“
Im Alten vermutete der antike Mensch grundsätzlich das Richtige. Jürgen Paul Schwindt, Altphilologe in Heidelberg, erkennt bei Griechen und Römern einen Umgang mit dem Neuen, der es stets „mortifiziert“, also zu einem integralen Teil des Alten erklärt. Die mythischen Erfinder, etwa Prometheus, der den Göttern das Feuer stahl, büßen ihre Neuerungen mit ewiger Strafe.
Spätrömische Kaiser, etwa Diokletian, verkauften ihre Machtübernahme oder Reformen auf Münzen als „Renovatio“ oder „Reparatio“ und sich selbst als „Restitutor“, als Wiederhersteller. Das „Re“ weist immer zurück auf die guten alten Zeiten. Neuheit dagegen war ein Vorwurf, der Unruhestifter hieß „Novator“, Neuerer.
Ironie der Geschichte, meint Schwindt, dass gerade die „Renaissance“, also die Beschäftigung mit dem Altertum, die Vorstellung vom Neues schaffenden Menschen hervorbrachte. Diese oft verherrlichte Epoche steht am Anfang all dessen, was tatsächlich neu und einzigartig an der Moderne ist, die empirische Wissenschaft vor allem. Seither begann der Aufstieg der neugierigen Europäer. Erst nach der Renaissance war es möglich, eine Idee oder Ware wegen ihrer Neuheit anzupreisen.


