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15.10.2008 
Autoreninterview von der Frankfurter Buchmesse

"Die ganze Welt bringt mich in Rage"

von Thomas Ludwig

Sein Debütroman "Zorn" hat die türkische Literaturszene in Aufruhr versetzt. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erzählte der Schriftsteller Murat Uyurkulak, warum er weder der Türkei noch der EU traut und warum Schriftsteller in der Türkei gefährlich leben.

Murat Uyurkulak präsentierte seinen Roman "Zorn" auf der Buchmesse in Frankfurt. Foto: Handelsblatt.

Murat Uyurkulak präsentierte seinen Roman "Zorn" auf der Buchmesse in Frankfurt. Foto: Handelsblatt.

Herr Uyurkulak, Ihr Roman, in dem Sie Jahrzehnte türkischer Geschichte passieren lassen, heißt „Zorn“ – warum macht sie die Türkei zornig?

Nicht nur mein Land, die ganze Welt bringt mich in Rage. Warum? Weil überall Profite wichtiger genommen werden, als Menschlichkeit.


Das klingt nach Klassenkampf. Sind die türkischen Leser dafür empfänglich?

Das interessiert mich nicht. Ich bin Autor und politischer Aktivist. Das sind aber zwei verschiedene Identitäten. Natürlich haben meine Texte politische Elemente und Merkmale. Als Autor fühle ich mich aber nicht zu politischem Engagement verpflichtet. Und als Aktivist fühle ich mich nicht berufen zur Schriftstellerei.


Außenstehenden gilt die Türkei als Land zwischen Tradition und Moderne...

Die Türkei hat die Moderne von oben verordnet bekommen. Darunter leidet sie bis heute.


Der oberste Staatsanwalt hat versucht, die regierende islamistische AKP-Partei verbieten zu lassen ist aber damit gescheitert. Ist damit das Ringen säkularer Nationalisten und religiöser Fundamentalisten entschieden?

Die Türkei ist ein kapitalistisch orientiertes Land in einer globalisierten Welt liberalisierter Märkte. Vor diesem Hintergrund sind Säkularisten und AKP zwei Seiten derselben Medaille. Es ist eine Auseinandersetzung zwischen der alten reichen Elite und einer neuen emporgekommenen Elite, ebenfalls reich. Eine Seite wird gewinnen. Die Armen, die einfachen Bürger, werden in jedem Fall die Verlierer sein.


Die Türkei strebt den Beitritt in die Europäische Union an. Wo sehen Sie das Land in zehn, 20 Jahren?

Ich möchte in einem demokratischeren Land leben. Dabei traue ich aber weder der EU noch der Türkei so recht.


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