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31.03.2006 
Phänomen Berlusconi

Die italienische Heuschrecke

von Regina Krieger

Es sind neue Bücher über das Phänomen Berlusconi erschienen. Tenor: Regieren jenseits demokratischer Kontrollen und Regeln. Der vorerst letzte Fauxpas liegt nur ein paar Tage zurück.

Italiens Premierminister Silvio Berlusconi bei einer Rede in Rom. Foto: apLupe

Italiens Premierminister Silvio Berlusconi bei einer Rede in Rom. Foto: ap

DÜSSELDORF. Auf einer Wahlkundgebung in Neapel rief Silvio Berlusconi seinen Anhängern zu: "In China, zu Zeiten Maos, haben die Kommunisten zwar nicht die Kinder aufgefressen, aber sie haben sie gekocht und dann ihre Felder gedüngt." Der offizielle Protest aus Peking kam postwendend, das italienische Außenministerium musste eine Entschuldigungsnote veröffentlichen. Nur der Ministerpräsident gab sich ungerührt. Das sei seine Art der Ironie, legte er nach.

In Italien ist man nach zwei Regierungen Berlusconi an solche verbalen Ausfälle gewöhnt. Sein Kommunistenhass ist längst sprichwörtlich und wird belächelt. Im übrigen Europa aber taucht sofort eine Szene aus dem Europaparlament auf. Im Juli 2003 beleidigte Berlusconi als EU-Ratspräsident den Abgeordneten Martin Schulz. Er sei die perfekte Besetzung für den Kapo, den KZ-Aufseher, in einem Film, der gerade in Italien gedreht werde. Schaut man genau hin, ist das peinlich berührte Abrücken vom Kollegen aus Italien bei EU-Gipfeln noch heute deutlich zu erkennen.

Als der Unternehmer und Multimillionär 1994 mit seiner Retortenpartei "Forza Italia" als politischer Newcomer zum ersten Mal die Wahlen gewann, erschien schnell eine Fülle von Büchern über Berlusconi, die vor allem die Medienkonzentration und den damit verbundenen Interessenkonflikt in Italien kritisierten. Seine Holding Fininvest besitzt über die Mediaset drei Fernsehsender, die Mehrheitsrechte an den beiden größten Verlagen in Italien und ist an mehreren Zeitungen und Magazinen beteiligt. Als Regierungschef kann Berlusconi auf die Besetzung des Aufsichtsrats des staatlichen Fernsehens RAI Einfluss nehmen. Die "italienische Anomalie" wurde international zum Thema.

Doch erst jetzt, wo sich die Popularitätskurve des Männerfreundes von George W. Bush und Wladimir Putin nach unten neigt, sind in Deutschland Bücher erschienen, die das Phänomen Berlusconi einordnend und analysierend schildern. Auf der Basis von umfangreichen Recherchen und Interviews zeichnen die Autoren, allesamt Journalisten, ein detailliertes Psychogramm des Mailänders, der sich selbst mit vollem Ernst einen "Gesalbten" nennt.

Ein Meisterwerk hat Alexander Stille verfasst - ein in New York lebender Italiener, dessen Vater Chefredakteur des "Corriere della Sera" war. Stille versucht in seinem glänzend geschriebenen Buch, eine Antwort auf die Frage zu finden, warum die Italiener Berlusconi zweimal gewählt haben.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: 1994 war es der "Neuigkeitswert"

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