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21.03.2008 
Stauffenberg und der George-Kreis

Die Köpfe des geheimen Deutschlands

von Martin Roos

Unheimlich wollte der Dichter Stefan George sein. Eine einzigartige Skulpturen-Ausstellung im Marbacher Literaturmuseum der Moderne gibt neue Rätsel auf über den Dichter-Guru und seine Anhänger

Claus Graf Schenk von Stauffenberg gehörte zu den "George-Jüngern" Foto: dpaLupe

Claus Graf Schenk von Stauffenberg gehörte zu den "George-Jüngern" Foto: dpa

Die große schwere Tür öffnet sich. Aus wenigen Strahlern flutet von der Decke Licht auf ein Feld des Schauderns. Abgeschlagene Köpfe, zertrümmerte Gesichter, verbrannte Schädel und Totenmasken sind auf einem hüfthohen Podest, fünf Meter breit, 25 Meter lang, aufgebahrt wie Leichen zur Identifizierung nach einem Attentat.

Grabesstille. Manche der Köpfe haben geschlossene Augenlider, andere starren in Spannung, als ob sie gleich sprechen wollten. Leichtes Grauen herrschte im Saal, wenn da nicht dieser groteske Holzkopf wäre. Ein mittelmäßiges Haupt, an dem die rote Farbe bröckelt, mit einem braunen Seidenstrumpf um die Stirn wie bei einer alten Anziehpuppe. Das ist „Maximin“, der vom Dichter Stefan George (1868 - 1933) zum Heilsbringer seiner Anhängerschaft vergötterte und als 16-Jähriger gestorbene Maximilian Kronberger.

Unheimlich wollte er sein, dieser Dichter aus Bingen am Rhein. Aber vor allem wollte er wirken. Wie kein anderer beeindruckte und beeinflusste er die Intellektuellen, Künstler und Politiker Anfang des 20. Jahrhunderts mit seiner Kunst, seinen Wertvorstellungen und der Idee des „geheimen Deutschlands“, eines von Kunst und Geist durchdrungenen Staates im Staat. Dieser Geist beseelte auch den George-Jünger und späteren Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg in seinem Widerstand. „Es lebe das geheime Deutschland“, sollen am 20. Juli 1944 seine letzten Worte vor dem Erschießungskommando gewesen sein. Unter den 191 jetzt im Literaturmuseum der Moderne in Marbach gezeigten Skulpturen aus Holz, Gips und Bronze ist auch Stauffenbergs Kopf zu finden – und eine Fotografie, die Vorlage zu einem verlorengegangenen Standbild war.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Enormes Staunen

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