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21.03.2008 

Die meisten der Köpfe, 150 insgesamt, verstaubten bis jetzt unterm Dach des Marbacher Literaturarchivs. Nun hat das Archiv, allen voran der sehr agile Leiter Ulrich Raulff, die Köpfe, die George und viele seiner „Jünger“ darstellen, zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 40 weitere stammen aus Museen und Privatbesitz. Die Ausstellung „Das geheime Deutschland. Eine Ausgrabung“ ist bis zum 31. August zu sehen.

Die Qualität der Werke schwankt sehr. Manche scheinen aus einem Töpferkurs zu stammen. Andere könnten im Prado stehen. Die meisten Arbeiten stammen von Ludwig Thormaehlen (1889 - 1956), Alexander Zschokke (1894 - 1981) und Frank Mehnert (1909 - 1943). Alle drei sind Autodidakten, die nicht die Absicht hatten, in Galerien ausgestellt zu werden.

Raulff, der 2004 die Leitung des Marbacher Archivs übernahm, bekennt sein „enormes Staunen“ vor diesen rätselhaften Werken, die so gar nicht zur strengen Formästhetik des „Meisters“ George passen. Die gemeißelten Verse, die runenartige Stefan-George-Schrift, die monumentalen Gedenkbücher und die detailliert inszenierten Fotografien ließen kein Dilettantentum zu. Dieser hohe Anspruch könnte der Grund sein, warum die Skulpturen jahrelang im Verborgenen schlummerten.

George hatte eine Leidenschaft für die bildende Kunst. Sein lyrisches Schaffen verstand er als plastisches Werk. Doch die Frage bleibt, ob ihm die Qualität der Bildhauerei im George-Kreis nicht peinlich war.

Für die Aussteller ist weniger die ästhetische Diskrepanz interessant als vielmehr die Tatsache, dass der George-Kreis sich nicht nur buchkünstlerisch und fotografisch, sondern eben auch bildhauerisch eine visuelle Erinnerungskultur schuf. Aus Dichtung entwickelte sich plastische Kunst – das ist im 19. und 20. Jahrhundert einmalig.

Ihr Bildideal fanden die Mitglieder des George-Kreises im Abbild ihres Meisters. An seinem „Gepräge“ arbeiteten sich die Bildhauer ab. Georges Physiognomie faszinierte seine Jünger. Körper und Gesicht waren für den Dichter-Kreis von großer Bedeutung. Georges „gemeißelte Züge“, die „starken Bögen der Stirn“, die „fein geschnittene Nase“, die „Backenknochen scharf markiert“, wurden zu Insignien der Heldenverehrung. Sein Kopf eine Präsenzikone.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: „George als Bildideal“

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