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21.03.2008 

Das Rätsel des Stefan George und der Verehrung seiner Jünger wird mit dieser Skulpturensammlung nicht gelüftet. Das steinerne Gräberfeld des Dichterkreises – kommentiert nur an einigen Stellen mit Fotografien und Briefen – gibt keine letzten Worte her.

Die Marbacher Ausstellung will nicht werten, will weder neue Nebel entfachen, noch despektierlich wirken. Sie will zeigen, was die Zeit hinterlassen hat. Das aber durchaus mit Ironie: der abgebröckelte Kopf des Kultknaben Maximin oder Thormaehlens George-Holzkopf „Fitzlibutzli“, genannt nach dem Azteken-Häuptling Huitzilopochtli.

George, der sich dem Prinzip der Exklusivität verpflichtet fühlte, hätte wohl niemals eine derartige Massenschädelstätte der Kunst akzeptiert. Niemals hätte er es sich bieten lassen, dass man auf ihn und seinesgleichen wie nun in Marbach im wahrsten Sinne des Wortes herabblickt. Und vor allem: Wo bleibt Georges stets vergötterter Leib? Der Eros des Körpers? Im Marbacher Skulpturenfriedhof liegen nur entleibte, kastrierte Köpfe.

Mit einigen der Abgebildeten können auch andere als eingeweihte George-Experten etwas anfangen. Neben gut drei Dutzend Büsten, die George selbst zum Motiv haben, sind etwa die Köpfe der Literaturwissenschaftler Ernst Bertram und Friedrich Gundolf, des Juristen Ernst Morwitz und der Historiker Ernst Kantorowicz und Percy Gotheins zu sehen.

George selbst würde sich über die Dominanz seines eigenen Kopfes sicher freuen. Beim Besucherinteresse aber dürfte ihm Stauffenberg Konkurrenz machen. Wie seine beiden Brüder Alexander und Berthold war er ein begeisterter George-Verehrer. Frank Mehnert, der von George wegen seiner Gesinnung nur „der kleine Nazi“ genannt wurde, fertigte von Claus 1938/39 das „Pionier-Standbild“ an – nach der gezeigten Fotografie. Die lebensgroße in Stein gehauene Skulptur stand bis zu ihrer Demontage 1942 an der Elbe in Magdeburg. Die Einzelteile fand man noch im gleichen Jahr wieder, bis auf die rechte Hand – für den von Zauber faszinierten George-Kreis war das ein Menetekel: Tatsächlich hatte nämlich Stauffenberg 1943 durch einen Tieffliegerangriff in Tunesien seine rechte Hand verloren.

Vom Spuk zurückgelassen liegt heute Stauffenbergs Kopf in Marbach. Wenn in diesem Jahr im Kino „Valkyrie“, der Film über den Hitler-Attentäter mit Tom Cruise in der Hauptrolle startet, kann sich Marbach vielleicht auf den Besuch einiger Fans einstellen. Und was wäre erst los im beschaulichen Marbach am Neckar, wenn Cruise höchstpersönlich Stauffenberg besuchte. Das eifersüchtige Beben Georges kann man sich vorstellen.

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