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17.03.2006 
„Die Heimkehr“

Die Rückkehr des modernen Odysseus

von Regina Krieger

Bernhard Schlinks neuer Roman "Die Heimkehr" ist bei den Kritikern umstritten. Doch auf der Lit.Cologne klebten die Fans an Schlinks Lippen und straften die Kritiker mit donnerndem Applaus Lügen.

KÖLN. Nach seinen Irrfahrten kehrt Odysseus zurück nach Ithaka zu Penelope und erschlägt die Freier. Doch Homers Epos erzählt auch, dass der Held des trojanischen Krieges wieder fortzieht und nach einer Prophezeiung weit weg vom Meer sterben wird, also nicht auf seiner Insel. Mehr als einmal habe er die Odyssee gelesen und über das Heimkehren nachgedacht, erzählt Bernhard Schlink bei seinem Auftritt auf der Lit.Cologne seinen Fans in der überfüllten Kulturkirche Köln-Nippes. Mit wohlgesetzten Worten berichtet der Jurist über das Ergebnis seines Nachdenkens: Es gibt keine Heimkehr, denn auch wenn man an einen Ort zurückkommt, hat sich alles geändert, die Welt, der Ort, auch der Heimkehrer selbst ist ein anderer geworden. Genau das passiert seinem Ich-Erzähler Peter Debauer in dem Roman "Die Heimkehr".

Wie schon bei Schlinks vor zehn Jahren erschienenem Millionenseller "Der Vorleser" steht die NS-Zeit im Mittelpunkt des Romans. Auch die Nachkriegszeit und der Fall der Mauer spielen eine Rolle, doch das große Thema ist die Suche nach dem unbekannten Vater. Die Handlung ist ein kompliziertes Geflecht, raffiniert konstruiert. Schlink verbindet eine Liebesgeschichte mit Exkursen zur politischen Theorie, erörtert das ihm am Herzen liegende Thema Gerechtigkeit, schreibt über Versöhnung - und das alles in einer wunderbar eleganten wie klaren Sprache. Er habe das Bedürfnis nach Präzision und arbeite intensiv mit der Sprache, sagte der Jura-Professor, der in Berlin und New York lebt und im vergangenen August die Regierung vor dem Bundesverfassungsgericht vertrat, als es um die Klagen von zwei Abgeordneten gegen die Entscheidung des Bundespräsidenten ging, Neuwahlen festzusetzen.

Am Ende des Romans kehrt Peter Debauer heim, und es sieht aus, als ginge dieser moderne Odysseus nicht wieder fort. Doch Schlink warnt: "Ich habe nicht das Gefühl, dass es für die Protagonisten aufgeht." Die Feuilletonisten haben bis auf wenige Ausnahmen kein gutes Haar an dem neuen Buch gelassen, fanden den Stil "kitschig", den Roman "öde", eine "herbe Enttäuschung". In Köln klebten die Fans an Schlinks Lippen und straften die Kritiker mit donnerndem Applaus Lügen.

BERNHARD SCHLINK Die Heimkehr Diogenes Verlag, Zürich 2006 374 Seiten, 19,90 Euro

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