Gesucht wird: das beste Wirtschaftsbuch in Deutschland. Unter dem Motto „Wirtschaft verstehen“ verleihen das Handelsblatt, die Strategieberatung Booz & Company und die Frankfurter Buchmesse gemeinsam den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis. Der Buchpreis versteht sich als Beitrag zur ökonomischen Bildung der deutschen Gesellschaft.
Erst bei der Preisverleihung auf der Frankfurter Buchmesse wird der Sieger oder die Siegerin des Wirtschaftsbuchpreises bekanntgegeben. Foto: dpa
HB. Keine wissenschaftliche Abhandlung, kein Fachbuch für Spezialisten, kein Lehrbuch für Ökonomie-Studenten und kein umfangreiches Konvolut voller Formeln. Nein, ausgezeichnet werden soll ein Buch, das das Verständnis von Wirtschaft fördert, ein Buch, geschrieben für Leser, die keine Experten sind. Gesucht wird ein Wirtschaftsbuch, das gut lesbar ist, verständlich argumentiert, neue Blickwinkel aufzeigt und innovativ in der Themensetzung ist.
Knapp 100 Bücher, die in den vergangenen zwölf Monaten im deutschsprachigen Raum erschienen sind, gingen ins Rennen. Sie wurden von den Verlagen eingesandt, denn das war eine weitere Bedingung bei der Ausschreibung des Preises: Nicht die Autoren, sondern die Verlage sollten Titel vorschlagen. Nicht akzeptiert wurden Übersetzungen.
Zehn Titel haben es auf die Shortlist geschafft. Eine hochkarätige Jury (siehe „Die Jury“) wählt daraus das beste deutsche Wirtschaftsbuch 2008. Wer gewonnen hat, bleibt bis zum letzten Moment spannend: Erst bei der Preisverleihung auf der Frankfurter Buchmesse wird die Siegerin oder der Sieger proklamiert. Sie oder er können sich auf ein Preisgeld von 10 000 Euro freuen.
„Wirtschaft verstehen“ heißt das Motto des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises, den das Handelsblatt, die Strategieberatung Booz & Company und die Frankfurter Buchmesse nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr jetzt zum zweiten Mal vergeben. Besonders wichtig ist den drei Partnern, dass die Bücher verständlich geschrieben sind und eine breite Öffentlichkeit erreichen. Sie sollen neue Blickwinkel öffnen und neue Ideen präsentieren.
Die drei Initiatoren haben sich die Sache gut überlegt: „In einem Land wie Deutschland, das stark von seiner wirtschaftlichen Leistungskraft lebt, ist das Verständnis für wirtschaftliche Belange unterentwickelt“, sagt Bernd Ziesemer, Chefredakteur des Handelsblatts, „wir wollen nachhaltig einen Beitrag dazu leisten, dass sich das ändert. Wir wollen einen Beitrag zur ökonomischen Bildung in der deutschen Gesellschaft liefern.“
Bei der Vermittlung ökonomischer Zusammenhänge ist das Wirtschaftsbuch ein wichtiges Medium. Klaus-Peter Gushurst, Senior Vice President und Mitglied des „Global Board of Directors“ bei Booz & Company, hofft, „bahnbrechende Werke“ prämieren zu können. „Wer an der sich globalisierenden Wirtschaft aktiv teilnehmen und damit neue Trends, Strategien und Weichenstellungen für die Zukunft beurteilen und gestalten möchte, benötigt eine fundierte Basis“, erklärt Gushurst. „Dieses Fundament bietet die aktuelle Wirtschaftsliteratur.“
Die Frankfurter Buchmesse schaut vor allem auf die Verständlichkeit. „Wirtschaft ist untrennbar verbunden mit Kultur und Politik“, kommentiert Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse. „Wirtschaftliche Zusammenhänge in einer klaren Sprache zu verdeutlichen ist eine Kunst – und zugleich ein wichtiger Beitrag zur Aufklärung in der globalisierten Welt. Autoren, die das leisten, müssen gefördert werden“, so Boos. Alle drei Initiatoren verbinden mit dem Preis die Hoffnung, junge Autoren zu neuen, innovativen Werken anzuregen.
Ein Blick auf die Shortlist zeigt, dass in diesem Jahr alle Themen vertreten sind, die Menschen und Märkte 2008 bewegen: die Finanzkrise, der rasante Aufstieg Chinas, Russlands Machtgehabe, der Kampf um die Rohstoffe, die Zukunft der Globalisierung, der Klimaschutz, die Bildungs- und die Gerechtigkeitsfrage in Deutschland. Auch geht es um ein Thema, das hierzulande noch sehr brachliegt: die Vermittlung komplexer ökonomischer Zusammenhänge speziell für Jugendliche – was durchaus auch eine informative Lektüre für Erwachsene sein kann.
Die zehn Titel der Shortlist, die wir auf den folgenden Seiten vorstellen, decken alle aktuellen Wirtschaftsthemen ab und sind damit Gradmesser für das Interesse der deutschen Entscheider: Die Bücher beschäftigen sich mit dem relativ neuen Forschungszweig der „behavioural economics“, dem menschlichen Verhalten in wirtschaftlichen Situationen, mit ökologisch und ökonomisch sinnvollen Alternativen zu Althergebrachtem, mit zukunftsweisenden Strategievorschlägen für Manager, die Wettbewerbsvorteile sichern, mit fast schon revolutionären Ideen für das Wirtschaftsleben im Kleinen und Großen.
2007 gewann Daniel Schäfer mit seinem Buch über die „Wahrheit der Heuschrecken“ den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis. Die Jury wählte einstimmig ein Buch, das die Hintergründe der Branche der Finanzinvestoren beleuchtet – ein aktuelles Thema, mit der nötigen Distanz geschrieben und ohne in Oberflächlichkeiten abzugleiten, hieß es in der Begründung. Wer in diesem Jahr gewinnt, bleibt ein Geheimnis bis zum Buchmessen-Donnerstag. Dann wird das beste Wirtschaftsbuch in Deutschland bei einer feierlichen Preisverleihung in Frankfurt gekürt. Gerade in Zeiten der weltweiten Finanzkrise ist das Wissen um ökonomische Zusammenhänge ein gutes Gegenmittel gegen Panik und Angst. Wie sagte seinerzeit Bill Clinton: „It’s the economy, stupid!“
Die Jury
Neun Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft wählen den Preisträger
Eine hochkarätige, unabhängige Jury aus Wirtschaft und Wissenschaft wählt den Gewinner des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises aus. Die Mitglieder der Jury haben die zehn Titel, die es auf die Shortlist geschafft haben, aufmerksam studiert und werden am 16. Oktober auf der Buchmesse ihr Votum verkünden. In diesem Jahr saßen diese neun Persönlichkeiten zusammen, von denen man weiß, dass sie über den Tellerrand ihrer eigenen Profession hinausblicken:
Dr. Christine Bortenlänger, Geschäftsführerin der Börse München und Vorstand der Bayerischen Börse AG. Sie wurde 2007 zur „Managerin des Jahres“ gewählt.
Juergen Boos, seit 2005 Geschäftsführer der Frankfurter Buchmesse.
Prof. Dr. Wolfgang Gerke, Finanzexperte und Präsident des Bayerischen Finanz-Zentrums e.V., München.
Dr. Klaus-Peter Gushurst, Senior Vice President der Unternehmensberatung Booz & Company.
Dr. Jürgen Hambrecht, Vorstandschef BASF in Ludwigshafen.
Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Köln
Prof. Dr. Christoph Moss, Kommunikationsexperte der International School of Management (ISM)
Uli Veigel, CEO der Werbeagentur Grey Global Group Germany mit Sitz in Düsseldorf.
Den Vorsitz der Jury hat Bernd Ziesemer, Chefredakteur des Handelsblattes.


