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13.11.2008 
Kunstmarkt

Die Uhr wird zurückgedreht

von Barbara Kutscher

New Yorks Auktionen für zeitgenössische Kunst blieben diesmal deutlich unter den Erwartungen. Nach Wachstumsraten von 250 Prozent über die letzten zwei Jahre bestimmten diesmal realistische Preise den Zeitgenossenmarkt

Yves Kleins "Archisponge RE 11" ging für 21,4 Millionen Dollar weg. Foto: rtrLupe

Yves Kleins "Archisponge RE 11" ging für 21,4 Millionen Dollar weg. Foto: rtr

NEW YORCK. Mit "Danke, danke! Der Markt existiert immer noch" machte sich ein überschwänglicher Beobachter nach Sotheby?s schwieriger Contemporary Art Soirée am 11. November gegenüber Auktionator Tobias Meyer Luft. Auf den ersten Blick sprechen die Zahlen nicht von einem Triumph. Eingehämmert wurden 125 Mio. Dollar bei einer Erwartung von 203/280 Mio., aber ein Losverkauf von 68 Prozent und das Wertergebnis von 71 Prozent ließen aufatmen.

"Es war eine fantastische Auktion", befand auch New Yorker Händler Andrew Fabricant. Die Preise fanden sich jedoch auf dem Stand vom November 2006 wieder. Die Wachstumsrate des Zeitgenossenmarktes von 250 Prozent über die letzten zwei Jahre ist damit verpufft. Der bisherige Marktführer Christie?s drehte die Uhr sogar noch weiter zurück. Die vergleichsweise magere Summe von 113,6 Mio. Dollar (227/321 Mio.) hatte man schon seit mehr als drei Jahren nicht gesehen. Nach Wert wurden für 51 Verkäufe nur 55 Prozent erzielt.

Sotheby?s hatte über den Sommer in einem zunehmend schwierigeren Klima 63 Lose für die Abendauktion akquiriert, das sind 20 weniger als noch im Mai angeboten wurden. Exzellente Qualität war jetzt die Messlatte. Alles andere wurde in die sehr umfangreichen Tagesauktionen abgeschoben. Wie erwartet hielten sich Bieter am Abend zurück und einige ernsthafte Interessenten bekamen offenbar noch im letzten Moment kalte Füße. Darunter befand sich auch ein Rückversicherer, der James Rosenquists "In the Red", getaxt auf 1,2/1,6 Mio. Dollar, mit einem "irrevocable bid" abnehmen sollte. Das Bild blieb unverkauft.

Realistische Preise übten aber magische Anziehungskraft aus. Amerikanische Großsammler wie Donald Fisher oder Eli Broad, der mindestens drei Werke kaufte, saßen nach Jahren wieder selbst im Publikum und nutzten die Gelegenheit, nach herunterverhandelten Reserven zuzugreifen. So blieb der Großteil der Lose in den USA, mußte sich aber gegen starke europäische Konkurrenz behaupten.

Von Sotheby?s 26 oft sehr optimistisch garantierten Losen wurden sechs nicht verkauft, aber auch die abgesetzten bescherten dem Haus einen mehrstelligen Millionenverlust. CEO Bill Ruprecht kündigte bereits einen Richtungswechsel an. Bis sich die Märkte beruhigt haben, will man Konzessionen an die Einlieferer stark einschränken und generell für Garantien kein Eigenkapital mehr aufwenden.

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