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04.01.2008 

Aber zum einen ist die liberale Nussbaum in ihrer Analyse zu parteiisch. Hinduistische Nationalisten hält sie zwar zu Recht für die Hauptverantwortlichen für die schweren Unruhen im Bundesstaat Gujarat im Jahr 2002. Aber Nussbaum unterstellt ihnen gleich einen „Genozid“-Versuch. Zudem blendet ihre eher ideengeschichtliche Analyse zu stark die soziale und politische Situation in Indien selbst aus, die den radikalen Hinduismus erst sprießen ließ. Radikalen Nationalismus hält Nussbaum eher für einen bloßen Import aus Europa Anfang des 20. Jahrhunderts. Warum er in Indien bei einem Teil der Bevölkerung auf so fruchtbaren Boden fiel, erklärt sie nur am Rande.

Wirklich spannend sind allerdings Nussbaums Beschreibung des Streits über die Entstehung der indischen Sprache und das Kapitel über die Geschichte des Schlachtverbots für Kühe. Erst der historische Blickwinkel zeigt, wie die „heiligen Kühe“ politisch instrumentalisiert wurden.


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Einen völlig anderen Ansatz wählt Shashi Tharoor in seinem Buch „The Elephant, the tiger and the cell phone“. Der in New York lebende Schriftsteller fasst darin Artikel und Gedanken über den indischen Alltag zusammen, die er in den vergangenen Jahren veröffentlicht hat. Die etwas willkürlich wirkende Auswahl der Texte konfrontiert den Leser deshalb des Öfteren mit Tharoors offensichtlicher Leidenschaft, dem indischen Sport Kricket. Aber ohne Zweifel bietet dieses Buch den leichtesten und besten Einstieg für den, der etwas über die moderne indische Gesellschaft erfahren möchte. Die Bandbreite der Texte reicht von wirtschaftlichen Themen und Bollywoods Filmindustrie bis zur Ode an große Inder – und vermittelt ganz nebenbei einen Eindruck von der gesellschaftlichen Vielfalt dieses Milliardenvolks.

Um ein Gefühl für Indien und die dortige demokratische Debattierlust zu vermitteln, reicht Tharoor dabei manchmal schon ein kurzer Witz: Ein Inder bedeutet Monolog, zwei Inder eine Debatte und drei Inder zwei politische Parteien. Und in locker-leichter Form liefert er noch ein 45 Seiten umfassendes „A bis Z“ über alle Aspekte, die zum Verständnis des modernen Indiens wichtig sind – von der heiligen Kuh bis zu den sogenannten „Yes-Men“, den traditionell in der Gesellschaft verwurzelten „Ja-Sagern“.


  • Ramachandra Guha: India after Gandhi. The History of the world's largest democracyHarperCollins, New York 2007, 893 Seiten, 34,95 US-Dollar
  • Alex von Tunzelmann: Indian Summer. The Secret History of the End of an Empire Henry Holt and Company, New York 2007, 416 Seiten, 30 US-Dollar
  • Martha C. Nussbaum: The Clash within Harvard University Press, Cambridge 2007, 432 Seiten, 29,95 US-Dollar
  • Shashi Tharoor: The elephant, the tiger and the cell phone. Reflections on India Arcade, New York 2007, 498 Seiten, 27,50 US-Dollar
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