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08.05.2008 

Etliche andere monumentale Bilder hat Chaldej gemacht, nicht nur vom Krieg, auch vom Bau sibirischer Staudämme, von Ölfeldern in Baku, von der Weizenernte in der Ukraine. Eine Auswahl wird jetzt in Berlin gezeigt („Jewgeni Chaldej – Der bedeutende Augenblick, eine Retrospektive“, 9. Mai bis 28. Juli 2008 im Martin-Gropius-Bau). Das Bild der Flaggenhissung auf dem Reichstag ist zur Ikone geworden. Der Kunstwissenschaftler Wolfgang Ullrich von der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe macht zwei Kriterien aus, die Bildern eine derartige Kraft verleiht. Auf der einen Seite müsse die Bildaussage schnell (wieder) erkennbar sein. „Auf der anderen Seite darf es auch nicht zu eindeutig sein, muss offen für die Interpretation bleiben und in verschiedene Kontexte passen“, sagt Ullrich. So ist die Stadt in Trümmern nicht eindeutig als Berlin zu erkennen. Und das Foto zeigt keinen strahlenden Triumph, sondern das Leid, mit dem er in jedem Krieg errungen wird – die Soldaten quasi noch im Gefecht. „Weil ihre Gesichter nicht erkenntlich sind, kann sich jeder mit ihnen und ihrem Kampf identifizieren“, sagt Ullrich.

Die starke Wirkung des Bildes beruht dabei nicht auf tatsächlicher Authentizität. Die Aufnahme ist nicht nur gestellt, sondern auch nachträglich stark bearbeitet: Chaldej dramatisierte die Szene im Labor mit Rauchwolken aus einem anderen Foto, dem Soldaten, der den Fahnenmonteur am Bein stützt, retuschiert er die (geklaute) zweite Armbanduhr am rechten Handgelenk weg.

Ob Chaldej das Bild der Flaggenhissung von Iwo Jima kannte, ist umstritten. Es ist zwei Monate älter und erfüllte ähnliche Erfolgskriterien. Die 21 Quadratkilometer kleine japanische Pazifikinsel mit Flugfeld sollte die Basis für die Eroberung Japans werden. Am 23. Februar 1945, vier Tage nach der Landung, bestieg ein Trupp mit einigen Fotografen den die Insel beherrschenden Vulkan Suribachi, um eine amerikanische Flagge zu hissen. Doch die Szene ist dramaturgisch schwach: Die senkrecht stehende Fahne ist zu klein, die Soldaten stehen unbewegt daneben. Eine größere wird gehisst und von Joe Rosenthal von der Nachrichtenagentur AP fotografiert. Die Militärzensur wählt eines der Bilder aus und schickt es per Fernschreiber in die Heimat. Zwei Tage nach der vermeintlichen Eroberung erscheint es in Zeitungen im ganzen Land. Tatsächlich ist der Kampf um Iwo Jima erst am 26. März zu Ende. Drei der sechs abgebildeten Marineinfanteristen fielen noch. Doch der Sieg von Iwo Jima ist seither mit diesem Bild verbunden.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: „Keine Ikonen des Sieges im Irak“

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