Der Spross einer Schreinerfamilie brachte in Grcic’ Atelier das, was er an der Uni kennengelernt hatte, einen starken Impuls zu 3D-Computerprogrammen. „Damals war Stefan mein einziger Assistent“, erinnert sich Grcic. In dieser Zeit entstand „Chair One“. Der Urstuhl des neuen deutschen Designs sieht aus, als sei er einem Punktschweißer an Bord der russischen Raumstation Mir eingefallen. Dreiecke über Dreiecke, mal kleiner, mal größer, verwoben zu einem konstruktiven Flechtwerk. Die Verstrebungen verdichten sich zur Sitzfläche, die wie ein skelettierter Löffel auf den Besitzer wartet.
„Ich mag Möbel, die jeder sofort versteht“, sagt Grcic, der als „Pate des Münchener Designwunders“ gilt. Diez nahm einiges mit von der kantigen, bisweilen spröden Formsprache seines ehemaligen Mentors. Drei Jahre, von 1999 bis 2002, blieb er in Grcics Atelier im Münchener Bahnhofsviertel, dann gründete er sein eigenes Studio.
Ein Matschweg führt zu dem selbst umgebauten Schuppen am Glockenbach. „Enter after 20:00 at your own risk“, stand jahrelang an der Tür des zweigeschossigen Bretterverschlags. Unten liegt die Werkstatt, oben surren die Computer, und hinter dem Zaun toben Nachbarsjungen. Diez hat sich eine Oase mitten in München ausgesucht, in der er ständig Neues ausprobiert: Taschen und Sofas, Stühle oder Schmuck, den er zusammen mit seiner Frau Saskia, Goldschmiedin und Designerin, entwirft. Leben und Arbeiten zu verbinden heißt für Diez auch, dass er daheim nicht nur von seinen Dingen umgeben ist. Das sei wie mit dem Essen, jeder schätze die Abwechslung, sagt Diez.
Der begeisterte Hobbykoch sammelt derweil Preise und Aufträge: Besteck und Töpfe für Rosenthal, Stühle für Thonet, eine Couch für Flötotto, Seifenspender und Taschen für Authentics, Ausstellungsdesign für die Pinakothek der Moderne in München und die Kölner Möbelmesse – es gibt wenig im Haushalt, was Diez nicht wenigstens einmal geprüft und für zu leicht befunden hätte.
Was also können Auftraggeber und Benutzer vom Münchener Designwunder erwarten? „Vor allem sollte es eindeutig sein. Es geht darum, das Mittelmaß zu verlassen“, sagt Diez über seinen Ansatz. So einfach klingt Erfolg. Auf der Kölner Möbelmesse zeigt Diez Arbeiten seiner Klasse an der Karlsruher Hochschule für Gestaltung. Aus dem Schüler ist ein Lehrer geworden. „Design Deutschland“ bildet sogar einen Schwerpunkt der diesjährigen „imm cologne“.
Während am Rhein „Verbindungslinien zwischen unterschiedlichen Produkten“ proklamiert werden, können sich die Netzwerker an der Isar gelassen zurücklehnen. Deutsches Design gilt wieder etwas, auch weil Konstantin Grcic eine gute Hand bewiesen hat für Talente. Jetzt, wo die Assistenten selbst für Furore sorgen, legt der Altmeister nach. Mit Myto schuf er den ersten Freischwinger aus Kunststoff, der funktioniert. Ein gestalterisches Feuerwerk, das freilich erst in Mailand gezündet wird. So international ist der Libero des Münchener Designwunders dann doch.
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