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07.09.2008 

Museal erscheint auch der Engadiner Bauernhof in Champfèr, einem Ortsteil von St. Moritz. In 350 Jahre alten Mauern residieren heute Brigitte und Roland Jöhri. Jöhri's Talvo gehört zu den besten Restaurants der Schweiz und ist mit zwei Sternen und 18 Punkten im Gault Millau nur eine Kochlöffelspitze von der kulinarischen Unsterblichkeit entfernt. Knapp eine Stunde bevor der Champagner mit Holunderblüten-Sirup in den Gläsern perlt, sind die letzten Mountainbiker von den Trails gerollt, jetzt gilt es, von konkreten Maßnahmen gegen Dehydrieren und Unterzuckern auf Degustieren und Schlemmen umzuschalten. Mit glühenden Gesichtern sitzen die Bike-Gourmets am Tisch, lassen sich von Sommelier Daniel Krasnic Spezialitäten aus dem Keller holen. Leichte Verklärung legt sich auf die Minen, als - vielleicht als Reminiszenz an die Biker-Grundnahrungsmittel - als Pasta auf den Tisch kommt. Fragile Ricotta Raviolini, mit Sommertrüffeln und frittierten Salbeiblättchen. Italien à la Mama? Höchstens wenn die Mama Kunstprofessorin mit einer Cello-Ausbildung wäre. Die Fragen werden zunehmend essentieller: Warum macht man so etwas Unvernünftiges wie biken?, die Antworten zunehmend philosophischer: Grenzen ausloten, über sich hinauswachsen. Und weil so eine Tour aus vielen kleinen lohnenswerten Momenten besteht. Dabei lässt man noch ein Feigeneis auf der Zunge zergehen

Am Ende scheiden sich die Geister, welcher Genuss nun der höhere ist. ,"Ich esse sehr gerne gut, aber Jöhri?s Talvo war für mich ein einmaliges Erlebnis", meint Richard Scherrer, Personalberater bei einer Schweizer Bank. Er hat das Wochenende einem Freund, Werner Schreier, geschenkt, der gute Küche liebt und genauso gerne Mountainbiketouren ausarbeitet. Der ist hin- und her gerissen: "Das Küchenergebnis ist vielleicht reproduzierbar, das könnte man morgen hier genauso wieder essen. Aber so ein Bike-Tag mit 50 Kilometer Fernsicht ist selten."

Am nächsten Morgen sind die Muskeln hölzern, der ein oder andere leckt noch seine Wunden von ungewollten Bodenkontakten. Doch auf dem Weg zum nächsten Genussgipfel hält Fadri eine Abkürzung bereit: Die Bergbahn transportiert auch Räder. Entbehrungen und Strapazen mögen den Genuss erhöhen. Doch manchmal darf das Rezept auch einfacher sein.

Engadin für Feinschmecker

Anreise: Mit dem Auto über Zürich oder Bregenz nach Chur, dann weiter über Tiefencastel, den Julier-Pass oder den Albula-Pass. Für Bahn-Liebhaber: Mit dem Glacier Express von Chur nach St. Moritz: www.glacierexpress.ch

Gourmet-Biken: Die nächste "Sternfahrt St. Moritz" findet vom 12. bis 14. 9. statt. Individuelle Genießertouren für alle Konditionsklassen kann man über Allegra Tourismus buchen, Tel. 0041/818 58 7214, www.bike-gourmet-tour.ch

Essen: Die drei höchstdotierten Restaurants im Engadin sind Jöhri? Talvo in Champfèr, Tel. 0041/ 818 33 44 55, www.talvo.ch; La Bellezza im Hotel Paradies in Ftan, 0041/818 61 08 08, www.paradieshotel.ch; Bumanns Chesa Pirani in La Punt, Tel. 0041/818 54 25 15, www.chesapirani.ch

Wohnen: Neben dem Kempinski Grand Hotel des Bains (www.kempinski-stmoritz.com) gibt es vier weitere Fünf-Sterne-Häuser am Ort: www.stmoritz-hotels.ch

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