0 Bewertungen
22.09.2007 
Speisen beim Designer

Ess-Boutique

von Kirstin Hausen

Ein Drink in der Luxus-Boutique? In Mailand ist das kein Problem. Shoppen und Speisen beim Designer, die Mailänder sind ganz verrückt danach. Wie italienische Modelabels ihren Kunden Appetit machen – und warum deutsche passen.

Der Mensch ist Jäger und Sammler: Wenn er von einem ertragreichen Beutezug kommt, hüpft ihm das Herz unterm Designerhemd. Dann will er seinen Triumph auskosten und sich für die Strapazen der Jagd angemessen entschädigen. Deshalb gehört ans Ende einer erfolgreichen Shoppingtour ein Glas Champagner, Prosecco oder wenigstens ein Espresso. Allein schon wegen der tiefen Befriedigung, in einem Meer aus Marken-Tüten zu sitzen.

Die erstbeste Anlaufstelle tut es freilich nicht, das Café muss mindestens so edel sein wie der Inhalt der Einkaufstüten. Warum also nicht gleich in der Luxus-Boutique einen Drink einnehmen? Einen perfekt gemixten Cocktail zum perfekt sitzenden Anzug.

In Mailand ist das kein Problem. Shoppen und Speisen beim Designer, die Mailänder sind ganz verrückt danach. Dolce & Gabbana machen für ihre „Martini Bar“, die sich im hinteren Teil der Herrenboutique versteckt, aus gutem Grund keine Werbung. Exklusiv sollen die Gäste sein, so wie die Kunden. Auf dem schwarzen Ledersofa räkeln sich denn auch zwei blonde Schönheiten, die mit lässiger Geste nach Salzkringeln und Oliven greifen.

Zur Mittagszeit füllt sich der verschwiegene Ort mit Leuten aus dem angrenzenden Modequadrat. Man isst Asia-Suppe mit Poulet und Kokosraspeln, mediterrane Spezialitäten oder einfach nur ein Sandwich. Egal, worauf die Wahl fällt, alles wirkt ein bisschen edler als anderswo. Für den Abend haben die beiden Stardesigner eine noch exklusivere Location: „Gold“ heißt ihr Luxusrestaurant, das sie im opulenten D&G-Stil eingerichtet haben. Und wer nicht aufs Shoppen verzichten mag, kann sich die erlesenen Speisen italienischer Küche für zu Hause einpacken lassen: in große Einkaufstüten mit goldener Aufschrift selbstverständlich.

Andere Modegurus stehen D&G nicht nach. „Wir treffen uns bei Armani“ ist längst ein gängiger Spruch. Gemeint ist das Café im Erdgeschoss des Armani-Concept-Store, ein Nobel-Kaufhaus auf mehreren Etagen, wo man von der Armani-Wohnungseinrichtung über Blumen bis zu Kunstbüchern ausgewählte Produkte bekommt.

Das helle, minimalistisch gestylte Café ist aber auch Anlaufstelle für internationales Publikum. Mario-Claudio Soveidan, Manager einer Kosmetikmarke in Zürich, lässt dort seinen Arbeitstag ausklingen. „Die Atmosphäre ist angenehm und das Angebot an Speisen und Getränken sehr gut“, sagt er.

Der Name Armani steht für Qualität, das schlägt auch auf die Herkunft der Küchenprodukte durch. Vieles stammt aus biologischem Anbau, und alles hat einen gewissen Pfiff, sei es der Hauch Ingwer im Wellnessgetränk, die gegrillten Ananasfilets im grünen Salat oder die Paprikacreme zur Hähnchenbrust.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Warum deutsche Spitzenlabels noch nicht in den Speisezug eingestiegen sind.

In das japanische Restaurant „Nobu“ im ersten Stock des Armani-Hauses gehen die Mailänder Geschäftsleute vorzugsweise mit ihren ausländischen Businesspartnern essen. „Der Name Armani macht viel her“, sagt Finanzberater Michele Orsini: „Meine Kunden aus Amerika oder Fernost sind immer ganz beeindruckt.“

Das Gastronomie-Konzept der Designer ist immer das gleiche: Luxus stufenweise. Ganz wie bei den Modelinien. Es gibt ein Bistro-Café für den unkomplizierten Genuss nach dem Einkauf und ein Restaurant für gehobene Ansprüche. Nennenswert ist in dieser Kategorie das „Trussardi alla Scala“ schräg gegenüber des Mailänder Opernhauses. Hier interpretiert seit zwei Jahren Andrea Berton, Schützling von Gualtiero Marchesi und Alain Ducasse, traditionelle Küche neu.

Wichtig sei der Einklang mit der Philosophie der Häuser, betont Jacopo Cossater, der sich bei Trussardi eigens um das Restaurantmarketing kümmert. Mailands Modezar Giorgio Armani gönnt sich daneben einen Privé-Club für eingeschriebene VIP-Mitglieder – die gastronomische Variante von Taschen, Schuhen und Kleidern in limited Editions.

Und er exportiert sein Konzept: nach München. Auch dort, in der hochpreisigen Einkaufspassage in den Fünf Höfen, werden aus Kunden Gäste, indem sie von der Armani-Boutique direkt ins Armani-Caffé schlendern. Der Modezar bleibt seiner Heimat treu – mit italienischen Gerichten, mit Kaffeespezialitäten, mit kleinen Kuchen. Und: Die Tagliolini mit Trüffelduftnote, dazu Forelle in Venusmuscheln und Basilikumsauce kann man auch nach Ladenschluss noch genießen.

Deutsche Spitzenlabels sind noch nicht in den Speisezug eingestiegen. „Escada, Strenesse, aber auch Rena Lange verfolgen eine produktgetriebene Marketingstrategie", erklärt Unternehmensberater Nils Meydell, der die umtriebigen Italiener beobachtet. „Mit eigenen Restaurants, Bars und Cafés lassen sich Erlebnis- und Kommunikationsbereiche schaffen, die neben dem Kerngeschäft Mode zusätzlichen Mehrwert bringen.“

Klar ist: Die Küche muss maßgeschneidert sein. Sonst verspielt die Modemarke ihren guten Ruf. Luxuriöse Namen wecken kulinarische Ansprüche. Da könnten kreative Designer leicht über langweilige Köche stolpern.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterHandelsblatt Specials

zurück
  • Chronik 2008: Das Jahr der Turbulenze...

    Chronik 2008: Das Jahr der Turbulenzen

    Bankenpleiten, Börsentalfahrt, Rezession: Kaum ein Jahr hat die Welt der Wirtschaft so durcheinander gewirbelt wie 2008. Im kommenden Jahr müssen sich Manager und Politiker neu beweisen. Handelsblatt.com blickt in den Tagen bis zum Jahreswechsel zurück auf eine Zeit vo...Special 

  • Türkei – ein Land zwischen Aufbruch u...

    Türkei – ein Land zwischen Aufbruch und Rückschritt

    Die Türkei sprüht vor Dynamik. Neben Istanbul bilden sich auch in Anatolien neue Wirtschaftszentren. Im Land entsteht ein Mittelstand. Das bietet auch Chancen für deutsche Unternehmer und Investoren. Zugleich gestaltet sich der Weg nach Europa schwierig: Die Türkei ste...Special 

  • Agenda IT-Fitness

    Agenda IT-Fitness

    Ob Waldarbeiter, Bäcker oder Arzt – ohne IT läuft im Beruf kaum noch etwas. Doch die Informationstechnologie wandelt sich permanent, und Unternehmen wie Arbeitnehmer müssen sich auf diesen Wandel einstellen. Wie das gehen kann, zeigt die Agenda „IT-Fitness“.Special 

vor

 

 

Bildergalerien

zurück
  • Rechte und Pflichten bei Eis und Schn...

    Rechte und Pflichten bei Eis und Schnee

    Starke Schneefälle, Glatteis und Dauerfrost haben in den vergangenen Tagen vielen den Weg zur Arbeit erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht.Handelsblatt.com erklärt, was Sie beachten sollten.Bildergalerie 

  • Neue Regeln für die Einreise in die U...

    Neue Regeln für die Einreise in die USA

    Ab dem 12. Januar müssen USA-Reisende ohne Visum vorab online einen Antrag beim US-Heimatschutzministerium stellen. Nur mit Genehmigung, die per E-Mail erteilt wird, darf der Geschäftsreisende oder Tourist dann ins Flugzeug steigen. Die letzte Entscheidung trifft aber ...Bildergalerie 

  • Schneechaos legt Deutschland lahm

    Schneechaos legt Deutschland lahm

    Bis zu 20 Zentimeter Schnee und Glatteis haben am Montag weite Teile Deutschlands lahmgelegt. Autobahnen mussten gesperrt werden, Busse und Bahnen wurden durch die Schneemassen behindert. Auf dem Düsseldorfer Flughafen ging nichts mehr. Bilder vom Chaos.Bildergalerie 

vor