In das japanische Restaurant „Nobu“ im ersten Stock des Armani-Hauses gehen die Mailänder Geschäftsleute vorzugsweise mit ihren ausländischen Businesspartnern essen. „Der Name Armani macht viel her“, sagt Finanzberater Michele Orsini: „Meine Kunden aus Amerika oder Fernost sind immer ganz beeindruckt.“
Das Gastronomie-Konzept der Designer ist immer das gleiche: Luxus stufenweise. Ganz wie bei den Modelinien. Es gibt ein Bistro-Café für den unkomplizierten Genuss nach dem Einkauf und ein Restaurant für gehobene Ansprüche. Nennenswert ist in dieser Kategorie das „Trussardi alla Scala“ schräg gegenüber des Mailänder Opernhauses. Hier interpretiert seit zwei Jahren Andrea Berton, Schützling von Gualtiero Marchesi und Alain Ducasse, traditionelle Küche neu.
Wichtig sei der Einklang mit der Philosophie der Häuser, betont Jacopo Cossater, der sich bei Trussardi eigens um das Restaurantmarketing kümmert. Mailands Modezar Giorgio Armani gönnt sich daneben einen Privé-Club für eingeschriebene VIP-Mitglieder – die gastronomische Variante von Taschen, Schuhen und Kleidern in limited Editions.
Und er exportiert sein Konzept: nach München. Auch dort, in der hochpreisigen Einkaufspassage in den Fünf Höfen, werden aus Kunden Gäste, indem sie von der Armani-Boutique direkt ins Armani-Caffé schlendern. Der Modezar bleibt seiner Heimat treu – mit italienischen Gerichten, mit Kaffeespezialitäten, mit kleinen Kuchen. Und: Die Tagliolini mit Trüffelduftnote, dazu Forelle in Venusmuscheln und Basilikumsauce kann man auch nach Ladenschluss noch genießen.
Deutsche Spitzenlabels sind noch nicht in den Speisezug eingestiegen. „Escada, Strenesse, aber auch Rena Lange verfolgen eine produktgetriebene Marketingstrategie", erklärt Unternehmensberater Nils Meydell, der die umtriebigen Italiener beobachtet. „Mit eigenen Restaurants, Bars und Cafés lassen sich Erlebnis- und Kommunikationsbereiche schaffen, die neben dem Kerngeschäft Mode zusätzlichen Mehrwert bringen.“
Klar ist: Die Küche muss maßgeschneidert sein. Sonst verspielt die Modemarke ihren guten Ruf. Luxuriöse Namen wecken kulinarische Ansprüche. Da könnten kreative Designer leicht über langweilige Köche stolpern.


